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Ute Frevert: Warum Gefühle in der Politik kein neues Phänomen sind

Redaktionelle Szene zum Thema „Ute Frevert: Warum Gefühle in der Politik kein neues Phänomen sind“

Gefühlspolitik ist für die Historikerin Ute Frevert keine Erfindung der Rechten. Parlamente seien seit jeher auch emotionale Arenen, sagt die frühere Leiterin des Forschungsbereichs „Geschichte der Gefühle“ am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Am 16. Juni spricht Frevert bei einem „Tag der Parlamentsforschung“ der Parlamentsdirektion über das Parlament als Raum für Denken, Fühlen und politische Leidenschaft.

Im Zentrum ihrer Überlegungen steht die Frage, welche Rolle Emotionen in einer Demokratie spielen. Frevert betont, dass Gefühle in der Politik nicht erst mit rechten Parteien sichtbar geworden seien. Wut, Angst, Kränkung oder Begeisterung begleiteten politische Auseinandersetzungen seit langem und prägten auch Debatten in gewählten Vertretungen.

Besonders erfolgreich seien rechte Parteien jedoch darin, Wut politisch zu mobilisieren, weil sie Konflikte stark über Emotionen aufladen können. Das macht das Spiel mit Gefühlen laut Frevert nicht harmlos: Wer politische Lager immer stärker über Affekte anspreche, riskiere, sachliche Auseinandersetzungen zu verdrängen und die demokratische Debatte zu verengen.

Die Historikerin verweist zugleich auf die Stimmungslage der Gegenwart. Bei ihrem Abschied vom Forschungsbereich „Geschichte der Gefühle“ im Juni 2024 beschrieb sie als kennzeichnendes Gefühl der Zeit die Angst – „viele Ängste“, sagte sie damals. Gemeint seien vor allem Sorgen vor sozialem Abstieg und vor einem Verlust von Zukunftsperspektiven.

Gerade in parlamentarischen Demokratien, so der Gedanke hinter dem Wiener Termin, geht es deshalb nicht nur um Argumente und Mehrheiten, sondern auch um die Frage, wie Politik Emotionen aufnimmt, ordnet und begrenzt. Freverts Position: Eine Demokratie braucht Gefühle – aber sie braucht auch Regeln für ihren politischen Einsatz.

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