Auf der Weststrecke zwischen Wien und Salzburg fahren die ÖBB und die Westbahn im direkten Wettbewerb. Auf anderen Fernverkehrsachsen in Österreich ist ein solches Modell bislang aber die Ausnahme – und auch neue Anbieter sind bisher kaum sichtbar. Im Gegensatz zum deutschen Markt, wo Italo und Flixtrain mit Investitionen auf mehr Konkurrenz drängen, bleibt der Fernverkehr hierzulande weiterhin stark von den ÖBB geprägt.
Der Hintergrund ist die europäische Liberalisierung des Bahnmarkts, die seit den frühen 1990er-Jahren den Wettbewerb im Fernverkehr ermöglichen sollte. In der Praxis hat sich das nur in wenigen Ländern in größerem Ausmaß durchgesetzt. Österreich zählt dazu bisher nicht. Zwar gibt es mit der Westbahn seit Jahren einen privaten Konkurrenten der ÖBB auf einer der wichtigsten innerösterreichischen Achsen, doch darüber hinaus hat sich der Markt kaum geöffnet.
Die Frage ist, ob das Modell der Weststrecke auch auf andere Verbindungen übertragbar wäre. Dort profitieren Fahrgäste von einem dichten Takt und direkter Konkurrenz, was im Idealfall Preisdruck und mehr Angebot bringen kann. Gleichzeitig braucht Fernverkehr auf der Schiene hohe Auslastung, verlässliche Trassen und erhebliche Investitionen in Züge und Betrieb – Bedingungen, die den Einstieg neuer Anbieter erschweren.
Neue Impulse könnte in den kommenden Jahren auch grenzüberschreitender Wettbewerb bringen. Genannt werden etwa die italienischen Frecciarossa-Züge, die über Tirol fahren sollen, sowie Pläne von Silverstar Railways in Richtung Salzkammergut. Solche Vorhaben zeigen, dass der österreichische Fernverkehr für private Anbieter grundsätzlich interessant ist. Ob daraus ein dauerhafter Markt mit mehreren konkurrierenden Unternehmen entsteht, hängt aber von Infrastruktur, Regulierung und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab.
Für die ÖBB bleibt der Fernverkehr damit ein strategisch wichtiges Geschäftsfeld. Solange private Anbieter nur auf einzelnen Strecken Fuß fassen, bestimmen die Bundesbahnen das Angebot im Land weitgehend selbst. Der Wettbewerb könnte zwar zunehmen, er ist im heimischen Fernverkehr aber noch nicht im ganzen Markt angekommen.









