Extrig.at

Die unabhängige Onlinezeitung für Österreich

Wagners „Fliegender Holländer“ überzeugt in Erl mit starker Besetzung und präziser Regie

Redaktionelle Szene zum Thema „Wagners „Fliegender Holländer“ überzeugt in Erl mit starker Besetzung und präziser Regie“

Bei den Tiroler Festspielen Erl ist Richard Wagners „Der fliegende Holländer“ in einer Inszenierung von Josef E. Köpplinger zu sehen, die musikalisch wie szenisch auf hohem Niveau funktioniert. Im Passionsspielhaus trifft das düstere Seelendrama des ewigen Seefahrers auf eine präzise Bilderwelt, getragen vor allem von Christopher Maltman in der Titelpartie.

Maltman zeichnet den Holländer als bedrohliche und zugleich verletzliche Figur. Mit markantem Auftreten, schwarzem Leder und großer Präsenz gibt er der Rolle jene Wucht, die Wagner vorgesehen hat. Der Bariton verbindet stimmliche Kraft mit Ausdruck, ohne die Figur bloß zur dämonischen Erscheinung zu machen. Gerade diese Mischung macht den Auftritt laut der aktuellen Aufführung zu einem zentralen Ereignis des Abends.

Auch die Regie von Köpplinger setzt nicht auf Effekthascherei, sondern auf klare Führung und starke Kontraste. Das passt zu Wagners früher Oper, in der Erlösung, Verzweiflung und Treue im Mittelpunkt stehen. Die Produktion nutzt den Raum des Passionsspielhauses für eine dichte, atmosphärische Wirkung. Die Inszenierung bleibt dabei nah am Werk und vermeidet Überdeutungen.

Wagners „Der fliegende Holländer“ gehört zu den populäreren Opern des Komponisten, weil das Stück schon früh jene Themen bündelt, die später für sein Musiktheater prägend wurden: das Ringen um Erlösung, obsessive Leidenschaft und eine von Naturgewalten geprägte Welt. In Erl trifft dieses Material auf ein Festival, das sich seit Jahren als Ort für großformatige Opernproduktionen etabliert hat.

Die aktuelle Aufführung fügt sich in diese Linie ein. Sie setzt auf starke Stimmen, auf sorgfältige Personenführung und auf ein Bühnenbild, das der Wucht der Vorlage standhält. Dass der Abend vor allem durch die Qualität von Ton und Bild trägt, spricht für eine Produktion, die ohne große Umwege direkt bei Wagners Kern ansetzt.

Diesen Artikel teilen