Extrig.at

Die unabhängige Onlinezeitung für Österreich

US-Konzerne drängen mit LNG und Kraftwerken in den Balkan

Redaktionelle Szene zum Thema „US-Konzerne drängen mit LNG und Kraftwerken in den Balkan“

Amerikanische Energieunternehmen bauen ihre Präsenz in Südosteuropa aus. Im Fokus stehen Flüssiggas-Lieferungen, neue Gaskraftwerke und Beteiligungen an Raffinerien. Besonders deutlich zeigt sich das in Ländern des westlichen Balkans und an der Adria, wo die USA ihre energiepolitische Rolle auch mit geopolitischen Interessen verknüpfen.

Seit Donald Trump im Amt ist, haben mehrere Staaten in der Region Verträge über den Bezug von US-Flüssiggas abgeschlossen. Parallel dazu investieren Firmen aus den USA in Infrastruktur, die den Markt langfristig prägen kann. Dazu zählen Gaskraftwerke ebenso wie Käufe im Raffineriesektor. Für die betroffenen Länder ist das ein Balanceakt zwischen Versorgungssicherheit, Preisfragen und strategischer Abhängigkeit.

Krk als Schlüsselstandort

Im Zentrum der Entwicklung steht auch der LNG-Terminal auf der kroatischen Insel Krk. Die Anlage gilt als wichtiger Umschlagpunkt für Flüssiggas in Südosteuropa und ist für Washington ein Hebel, um die Region stärker an amerikanische Energielieferungen anzubinden. Über Krk können Staaten in der Nachbarschaft ihren Gasbezug breiter aufstellen und sich von einzelnen Lieferanten unabhängiger machen.

Die Expansion ist dabei nicht nur wirtschaftlich motiviert. In Washington wird Energiepolitik in der Region auch als Instrument verstanden, um den Einfluss anderer Mächte zurückzudrängen. Das betrifft vor allem Russland, dessen Rolle als Gas- und Öllieferant am Balkan seit Jahren politisch aufgeladen ist. US-Investitionen in LNG, Stromerzeugung und Ölverarbeitung passen in diese Strategie.

Wirtschaft und Sicherheit gehen zusammen

Wie eng Energie- und Sicherheitspolitik miteinander verbunden sind, zeigte vergangene Woche ein Treffen in Banja Luka. Dort organisierte das Gold Institute for International Strategy des früheren US-Generals Michael Flynn ein „Gipfeltreffen zu Wirtschaft und Sicherheit“. Wichtigster Gast war der bosnisch-serbische Separatistenführer und SNSD-Chef Milorad Dodik. Das Treffen unterstreicht, dass wirtschaftliche Vorstöße aus den USA in der Region stets auch eine politische Dimension haben.

Für die Balkan-Staaten eröffnen die neuen Projekte zwar zusätzliche Optionen bei Gas und Strom. Gleichzeitig wächst aber auch die Abhängigkeit von amerikanischen Lieferketten und Investoren. Der Wettbewerb um Energieinfrastruktur wird damit zu einem Machtfaktor in einer Region, in der wirtschaftliche Entscheidungen oft unmittelbare politische Folgen haben.

Diesen Artikel teilen