Eine Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher spricht sich grundsätzlich für eine Erbschafts- und Schenkungssteuer aus. In einer aktuellen Gallup-Umfrage sind 59 Prozent dafür, zugleich will fast die Hälfte der Befragten eine solche Abgabe erst bei größeren Vermögen greifen lassen: 49 Prozent nennen eine Schwelle von rund einer Million Euro.
Die Erhebung zeigt damit ein klares Muster in der steuerpolitischen Debatte: Zustimmung ja, aber mit hohen Freigrenzen. Nur 10 Prozent befürworten eine Erbschafts- und Schenkungssteuer unabhängig von der Höhe des Vermögens. 36 Prozent lehnen sie grundsätzlich ab, 5 Prozent machten keine Angaben. Befragt wurden 1.000 Personen.
Debatte um Vermögensbesteuerung bleibt sensibel
Das Ergebnis passt zu einem bekannten Spannungsfeld in Österreichs Steuerpolitik. Vermögensbezogene Abgaben stoßen zwar immer wieder auf Zustimmung, wenn sie auf sehr große Erbschaften oder Schenkungen beschränkt sind. Sobald sie breiter ansetzen, sinkt die Akzeptanz deutlich. Genau diese Differenz macht die Umfrage sichtbar.
Politisch ist das Thema seit Jahren umstritten. Österreich erhebt derzeit keine Erbschafts- und Schenkungssteuer. Stattdessen greifen bei Vermögensübertragungen andere Abgaben und Regeln, etwa die Grunderwerbsteuer bei Immobilien. Forderungen nach einer neuen Vermögens- oder Erbschaftssteuer werden von Befürwortern mit mehr Steuergerechtigkeit begründet, Gegner warnen vor Belastungen für Familienbetriebe, mittlere Vermögen und bereits versteuertes Einkommen.
Die Gallup-Zahlen legen nahe, dass in der Bevölkerung zwar eine Bereitschaft für eine stärkere Beteiligung großer Vermögen an der Finanzierung des Staates besteht. Eine breite Steuer auf Erbschaften oder Schenkungen ohne nennenswerte Freibeträge hätte allerdings wohl keine Mehrheit. Für die wirtschafts- und steuerpolitische Debatte ist das ein wichtiges Signal: Akzeptanz entsteht vor allem dort, wo die Belastung sehr große Vermögen trifft.









