Türkische Touristen reisen derzeit in deutlich größerer Zahl auf griechische Inseln wie Kos und Rhodos. Möglich macht das eine vereinfachte Visa-Regelung für Gäste aus der Türkei, zugleich machen die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen beiden Ländern einen Urlaub jenseits der Ägäis für viele attraktiv.
Dass ausgerechnet Urlauber aus der Türkei verstärkt nach Griechenland fahren, hat auch eine politische Note. Zwischen beiden Staaten gibt es seit Jahrzehnten Spannungen etwa über die Ägäis, Seegrenzen, Zypern und die Minderheitenfrage. Im Alltag der Touristen spielt das jedoch oft eine untergeordnete Rolle: Für viele steht der kurze Weg zu den Inseln, das gute Preis-Leistungs-Verhältnis und die einfache Erreichbarkeit im Vordergrund.
Vor allem die Dodekanes-Inseln profitieren von dem Trend. Kos und Rhodos liegen nahe an der türkischen Küste und sind von dort aus vergleichsweise rasch erreichbar. Für griechische Gastgeber ist der Zustrom willkommen, weil er zusätzliche Einnahmen bringt und die Saison verlängern kann. Gleichzeitig stellt er die Behörden vor praktische Fragen, etwa bei der Abfertigung an Häfen und bei der Organisation des Tourismus auf Inseln, die ohnehin stark ausgelastet sind.
Die Entwicklung fügt sich in ein breiteres Muster ein: Griechenland zählt seit Jahren zu den wichtigsten Reisezielen im östlichen Mittelmeer, während die Türkei selbst unter hoher Inflation und schwankender Kaufkraft leidet. Für viele türkische Familien sind Auslandsreisen damit schwieriger geworden. Die relativ kurzen und oft günstigeren Trips auf griechische Inseln gewinnen deshalb an Gewicht.
Ob der neue Reiseboom auch politisch Folgen hat, bleibt offen. Klar ist aber: Der Tourismus baut in der Ägäis eine Verbindung aus, die über historische Gegensätze hinausgeht. Wo sich Staaten seit langem misstrauisch gegenüberstehen, entscheiden sich Reisende pragmatisch für Sonne, Meer und kurze Wege.









