Der Autor Tex Rubinowitz hat einen Schreibaufenthalt im südmährischen Mikulov absolviert und daraus einen Text über Ort, Auftrag und die Frage gemacht, was man an einem solchen Platz eigentlich schreiben soll. In dem Beitrag beschreibt er Mikulov als Umgebung, in der sich für ihn vieles wie angehalten anfühlt: „Hier steht alles still“, schreibt Rubinowitz.
Mikulov liegt in Südmähren nahe der österreichischen Grenze und zählt zu jenen tschechischen Orten, die in Literatur und Kultur immer wieder als Schauplatz für Beobachtungen zwischen Provinz, Geschichte und Gegenwart auftauchen. Rubinowitz setzt genau dort an und macht aus dem Aufenthalt selbst das Thema: Was erwartet ein Autor bei einem Schreibauftrag, was muss er mitbringen, was soll am Ende daraus entstehen?
Der Text arbeitet mit der Unsicherheit des Beobachters. Rubinowitz fragt nicht nur nach dem Ort, sondern auch nach der Rolle des Schreibenden. Muss man wissen, wo Mikulov liegt, und hilft Vertrautheit überhaupt beim Schreiben? Oder ist das bewusste Sich-ahnungslos-Stellen eher eine Methode, um auf einen Ort anders zu schauen? Diese Fragen ziehen sich als Leitmotiv durch den Beitrag.
Der Aufenthalt fällt in eine Phase, in der Tschechien als Schwerpunktland der Frankfurter Buchmesse im Herbst besondere kulturelle Aufmerksamkeit erhält. Rubinowitz’ Blick auf Mikulov fügt sich damit in ein größeres literarisches Umfeld, in dem tschechische Gegenwart und historische Räume verstärkt wahrgenommen werden. Der Beitrag selbst bleibt jedoch sehr persönlich und beobachtend: weniger Reportage als literarische Selbstbefragung.
Gerade darin liegt der Reiz des Textes. Rubinowitz macht aus dem vermeintlich kleinen Anlass eines Schreibaufenthalts eine Erkundung darüber, wie Literatur aus Ort, Situation und Unsicherheit entstehen kann. Mikulov wird dabei nicht zum bloßen Hintergrund, sondern zum Ausgangspunkt für eine Reflexion über das Schreiben selbst.









