Bruce Springsteen hat im September 2024 in Asbury Park ein Heimspiel gespielt, das den rund 35.000 Besucherinnen und Besuchern des Sea.Hear.Now-Festivals lange in Erinnerung geblieben sein dürfte. Drei Stunden lang rockte der 75-Jährige mit der E Street Band durch sein Repertoire und setzte dabei vor allem auf jene frühen Songs, mit denen er an der Küste von New Jersey groß geworden ist.
Der Auftritt am 15. September wirkte wie eine Rückkehr an den Ausgangspunkt seiner Karriere. Asbury Park gilt seit Jahrzehnten als einer der prägenden Orte in Springsteens musikalischer Biografie. Entsprechend laut fiel der Jubel aus, als der „Boss“ mit der Band loslegte und die frühen Alben in den Mittelpunkt rückte. Die Setlist und die lang gezogene Spielfreude machten den Abend zu einer Mischung aus Nostalgie und Show.
Besonders stark fiel der Bläsersatz auf, der rund um Saxofonist Jake Clemons für den typischen, breiten Sound sorgte. Clemons ist der Neffe von Clarence Clemons, der als langjähriges E-Street-Mitglied Springsteens Musik über Jahrzehnte mitgeprägt hat. Gerade beim Einstieg in „Bobby Jean“ entstand jener kollektive Moment, auf den Springsteen-Konzerte seit jeher zielen: ein gemeinsames Erinnern an Songs, die für viele Fans längst zum kulturellen Kanon gehören.
Springsteens Stimme klang dabei brüchiger als in früheren Jahren, aber nicht weniger eindringlich. Die Altersmüdigkeit der Stimme verlieh den Songs zusätzliche Gravität und schob den Abend weg von bloßer Retro-Show hin zu einem Auftritt mit eigener Spannung. Dass Springsteen seine Karriere immer wieder an den Jersey-Strand zurückbindet, ist dabei Teil seiner öffentlichen Figur: Der Mann, der einst auf den Straßen und Strandwegen von New Jersey unterwegs war, erzählt seine Songs bis heute aus genau diesem Milieu heraus.
Der Auftritt war nicht nur ein Festivalhöhepunkt, sondern auch ein Beleg dafür, wie geschlossen Springsteen und die E Street Band noch immer funktionieren. Dass ein mehr als drei Stunden dauerndes Konzert am Meer nicht in Routine erstarrte, sondern als konzentriertes Ereignis wahrgenommen wurde, ist auch dem klaren Zugriff auf das Material zu verdanken: kein Nostalgie-Museum, sondern ein Live-Set, das die eigene Geschichte selbstbewusst aufruft.
Parallel dazu setzen auch andere Namen aus der Popgeschichte auf Rückschau und Archivarbeit. The Lemon Twigs widmen sich in ihrer Musik weiterhin der Pop-Historie, während Ween frühere Lo-Fi-Aufnahmen in einer Box bündeln. So unterschiedlich diese Zugänge sind, verbindet sie der Blick zurück als künstlerisches Prinzip: Musik wird nicht nur neu aufgenommen, sondern auch als Geschichte, Material und Erinnerung verhandelt.









