Die Zukunft der Mehrjahresförderungen für Kulturprojekte in Wien ist weiter offen. Zwar wurden neue Förderrichtlinien am Dienstag beschlossen, die umstrittenen Ausnahmen für Theaterförderungen sind darin aber nicht festgeschrieben. Das letzte Wort über bereits empfohlene Anträge soll der Gemeinderat im Herbst haben.
Auslöser der Debatte war die Ankündigung, dass Mehrjahresförderungen in der Wiener Kultur künftig nur noch in wenigen Fällen vergeben werden sollen. Besonders in der Theaterszene löste das Unruhe aus, weil solche Zusagen für Häuser und Ensembles Planungssicherheit über mehrere Spielzeiten geben. Kurz vor dem Beschluss der Richtlinien hatte Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) zwei Ausnahmen genannt: eine zweijährige Gesamtförderung und eine vierjährige Konzeptförderung sollten weiterhin möglich bleiben.
Diese Ausnahmen sind in der beschlossenen Richtlinie jedoch nicht ausdrücklich verankert. Aus dem Büro der Stadträtin heißt es dennoch, Kaup-Hasler stehe zu den ausgesprochenen Förder-Empfehlungen. Über die endgültige Vergabe könne sie dem Gemeinderat aber nicht vorgreifen. Damit bleibt offen, ob und in welchem Umfang die angekündigten Sonderregelungen tatsächlich umgesetzt werden.
Für die Wiener Kulturpolitik ist das heikel, weil Mehrjahresförderungen nicht nur freie Theater, sondern auch andere Kulturinitiativen betreffen können, die auf längere Finanzierungszusagen angewiesen sind. Gerade im Kulturbereich entscheiden solche Modelle oft darüber, ob Produktionen, Personal und Spielpläne verlässlich geplant werden können. Mit der nun beschlossenen Richtlinie ist diese Frage zwar grundlegend neu geordnet, die konkrete Anwendung aber noch nicht abgeschlossen.
Im Herbst soll der Gemeinderat über die offenen Punkte entscheiden. Erst dann wird sich zeigen, ob die angekündigten Ausnahmen für die Theaterförderung tatsächlich Bestand haben oder ob die neue Linie der Stadt bei Mehrjahresförderungen strenger ausfällt als zunächst signalisiert.









