Mit einer Mischung aus Popkultur, Gegenwartsliteratur und Klassik empfiehlt die Kultur-Redaktion in diesem Sommer vor allem drei sehr unterschiedliche Bücher: Lena Dunhams zweite Memoiren, neues von Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek und eine Neuausgabe von Honoré de Balzac. Die Auswahl zeigt, wie breit die Ferienlektüre gedacht ist – vom intimen Selbstporträt bis zum kanonischen Roman.
Im Mittelpunkt steht zunächst Famesick, das zweite Memoirenbuch der US-Amerikanerin Lena Dunham. Dunham wurde mit der Serie Girls international bekannt und hat sich früh als Autorin von autofiktionalen Texten einen Namen gemacht. Schon ihr Spielfilm Tiny Furniture machte sie 2010 auch als Filmemacherin einem größeren Publikum bekannt. In Famesick schreibt Dunham erneut über die Verbindung von privatem Erleben und öffentlicher Wahrnehmung – und über die Schattenseiten des Erfolgs.
Das Buch knüpft damit an jenes Thema an, das Dunhams Werk seit Jahren prägt: die eigene Biografie als literarisches Material. Für Leserinnen und Leser, die an Popkultur, Selbsterzählung und dem Preis des Ruhms interessiert sind, ist das eine naheliegende Sommerlektüre. Dass Dunham auch abseits der reinen Klatschperspektive funktioniert, liegt gerade an diesem Zugriff: Sie erzählt nicht nur vom eigenen Leben, sondern von einer Karriere, die stets auch als kulturelles Ereignis gelesen wurde.
Als zweiter Anker der Empfehlungen taucht Elfriede Jelinek auf. Die österreichische Nobelpreisträgerin steht seit Jahrzehnten für eine Literatur, die politische und gesellschaftliche Verwerfungen mit sprachlicher Präzision und formaler Radikalität untersucht. Ein neues Buch von Jelinek ist deshalb nie bloß eine weitere Veröffentlichung, sondern immer auch ein aktueller Text über die Gegenwart. Gerade in der Ferienzeit, in der viele nach anspruchsvoller Lektüre suchen, bleibt Jelinek ein Fixpunkt für Leserinnen und Leser, die mehr wollen als Unterhaltung.
Den Kontrast dazu bildet die Neuausgabe von Honoré de Balzac. Der französische Klassiker steht für den Roman des 19. Jahrhunderts und damit für eine andere Form des Lesens: langsamer, ausgreifender, stärker an Figuren und Gesellschaftsbildern interessiert. Eine Neuauflage macht solche Texte für ein heutiges Publikum erneut zugänglich – auch für jene, die im Sommer zu Büchern greifen, die seit langem im Kanon stehen, aber in neuer Ausgabe wieder präsent gemacht werden.
Die Auswahl setzt damit auf drei sehr unterschiedliche Lektüremöglichkeiten: autobiografisch, zeitgenössisch, klassisch. Wer in den kommenden Wochen etwas für den Koffer sucht, findet hier keinen einheitlichen Trend, sondern eine literarische Spannweite – von Dunhams Gegenwartsbeobachtung über Jelineks Gegenwartssprache bis zu Balzacs erzählerischem Fundament.









