Mit Puccinis „Tosca“ setzen die Opernfestspiele St. Margarethen heuer auf ein Werk, das im Römersteinbruch die große Geste fast von selbst mitbringt. Auf der rund 70 Meter breiten Naturbühne ist die Inszenierung klar auf Wirkung angelegt, die Premierenbesetzung bietet dafür hörbar reichlich Substanz.
Der Steinbruch verlangt nach Raum, Klang und sichtbarer Spannung. Genau darauf ist der Abend ausgerichtet: Mehr ist in dieser Umgebung offenbar eher Vorteil als Übertreibung. Die Produktion setzt deshalb nicht auf Zurückhaltung, sondern auf eine Zuspitzung der dramatischen Momente, die Puccinis Oper ohnehin mitbringt.
Besonders deutlich wird das bei der berühmten Schlüsselszene um Scarpia. Statt erst im Libretto vorgesehen, fällt der erste Schuss in St. Margarethen bereits vor der Ouvertüre. Das eiserne Waffenrohr auf einem Felsengipfel bleibt in der Folge präsent und meldet sich später mehrfach zurück, wenn die Inszenierung Scarpias Gewaltfantasien und Machtanspruch betont.
Damit folgt die Produktion einem klaren Zugriff: Die Oper wird nicht als Kammerdrama, sondern als großes Freilufttheater gespielt. Der Ort selbst wird Teil der Erzählung, das Ambiente ersetzt keinen Ausdruck, verstärkt ihn aber. Gerade bei „Tosca“, wo Eifersucht, politische Gewalt und persönliche Verzweiflung aufeinanderprallen, passt diese Lesart zum Anspruch der Festspiele, dem Publikum ein ebenso opulentes wie direktes Musiktheater zu bieten.
Die Wahl des Stücks ist auch programmatisch nachvollziehbar. Puccinis Oper zählt zu den verlässlichen Zugpferden des Repertoires und verbindet eingängige Melodik mit hoher theatralischer Spannung. Für St. Margarethen ist das ein sicherer Griff: Das Publikum bekommt ein bekanntes Werk in einer Umgebung, die auf große Bilder und starke Akzente ausgelegt ist.









