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Ölmarkt schwankt trotz Nahostkonflikt zwischen Knappheit und Überangebot

Redaktionelle Szene zum Thema „Ölmarkt schwankt trotz Nahostkonflikt zwischen Knappheit und Überangebot“

Die Ölpreise sind in dieser Woche nach neuen Angriffen im Konflikt zwischen den USA und dem Iran wieder deutlich gestiegen. Für ein Fass der Nordseesorte Brent wurden zuletzt rund 78 US-Dollar bezahlt, nach 71 Dollar in der Vorwoche – dem niedrigsten Stand seit Beginn der Kriegshandlungen. Die Entwicklung zeigt, wie nervös der Markt auf jede Verschärfung rund um die Straße von Hormus reagiert.

Gleichzeitig spricht vieles dafür, dass der globale Ölmarkt vorerst nicht unterversorgt, sondern eher gut versorgt bleibt. Vor der jüngsten Eskalation hatten höhere Exporte aus anderen Förderländern und alternative Transportwege aus den Golfstaaten für Entspannung gesorgt. Auch die Öltransporte durch die Straße von Hormus erreichten zuletzt wieder etwa die Hälfte des Volumens vor Beginn der Krise.

Damit trifft ein grundsätzlich ausreichend versorgter Markt auf ein hohes geopolitisches Risiko. Die Straße von Hormus bleibt eine der wichtigsten Engstellen für den weltweiten Erdölverkehr; jede Störung dort kann Preise binnen kurzer Zeit nach oben treiben, auch wenn die physische Versorgung zunächst stabil bleibt.

Höhere Exporte und Umwege stützen das Angebot

Dass der Ölmarkt trotz der jüngsten Spannungen auf eine Überversorgung zusteuern könnte, hängt vor allem mit dem globalen Angebot zusammen. Mehr Öl aus anderen Ländern und Ausweichrouten aus den Golfstaaten haben den Druck auf die Versorgungskette zuletzt gemildert. Solange diese Mengen am Markt ankommen, spricht wenig für eine akute Knappheit.

Für Verbraucher und Unternehmen ist das doppelte Signal entscheidend: Geopolitische Risiken können die Preise kurzfristig stark bewegen, die grundlegende Marktlage bleibt aber von reichlichem Angebot geprägt. Ob sich daraus tatsächlich ein Überhang entwickelt, wird davon abhängen, wie lange die Spannungen anhalten und ob Lieferketten im Nahen Osten weiter ungestört funktionieren.

Preise reagieren vor allem auf das Risiko

Der jüngste Sprung beim Brent-Preis um rund zehn Prozent innerhalb weniger Handelstage ist deshalb vor allem als Risikoprämie zu lesen. Der Markt preist nicht nur aktuelle Schäden ein, sondern auch die Möglichkeit weiterer Angriffe und möglicher Engpässe auf einer der zentralen Seerouten für Rohöl.

Für den Ölmarkt bleibt damit ein Spannungsverhältnis bestehen: Fundamentaldaten deuten eher auf genügend bis zu viel Angebot hin, die Lage am Golf kann diese Einschätzung aber jederzeit überlagern. Genau diese Unsicherheit macht den Markt derzeit so anfällig für starke Preisschwankungen.

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