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Nacktheit, Butter und französischer Theaterkrach bei den Wiener Festwochen

Redaktionelle Szene zum Thema „Nacktheit, Butter und französischer Theaterkrach bei den Wiener Festwochen“

Mit einem Klumpen Butter in der Hand und in französischer Tracht empfängt eine Darstellerin das Publikum bei den Wiener Festwochen: Rébecca Chaillons Stück „La Parabole du Seum“ setzt in Wien auf Körper, Überzeichnung und eine deutliche Lust an der Provokation. Die in Frankreich derzeit stark beachtete Regisseurin zeigt damit eine Arbeit, die das Theater als Ort für soziale Reibung und leibliche Zumutungen versteht.

Chaillon ist keine Unbekannte für das Wiener Festival. Im Vorjahr war sie mit „La Gouineraie“ zu Gast, gemeinsam mit ihrer Partnerin Sandra Calderan. Auch damals drehte sich vieles um Körper, Intimität und die Frage, wie sich Lebensmodelle jenseits konventioneller Normen auf der Bühne behaupten lassen. In „La Parabole du Seum“ bleibt Chaillon diesem Zugriff treu, allerdings mit noch größerer Direktheit und einem Hang zur Eskalation.

Der Auftakt wirkt zunächst fast folkloristisch: Die Butter wird herumgereicht, gelobt, als mild und „ein bisschen salzig“ beschrieben. Doch hinter der harmlos wirkenden Geste setzt rasch jene Gegenbewegung ein, für die Chaillons Arbeiten bekannt sind. Nacktheit, Körpersäfte und das Spiel mit dem eigenen und fremden Blick auf den Körper werden zum zentralen Material der Inszenierung.

Die Warnung der Festwochen vor Nacktheit und Körpersäften ist dabei nicht bloß ein Hinweis auf einzelne Effekte, sondern trifft den Kern der Aufführung. Chaillon arbeitet mit deutlichen Kontrasten zwischen scheinbarer Biederkeit und kontrollierter Grenzüberschreitung. Das macht den Abend inhaltlich zugespitzt, aber auch anstrengend: Die permanente Steigerung erzeugt Unruhe, kostet jedoch auch Konzentration.

„La Parabole du Seum“ verhandelt damit einmal mehr das Verhältnis von Körper, Macht und gesellschaftlicher Erwartung. Chaillon nutzt die Bühne nicht als Distanzraum, sondern als Ort der direkten Konfrontation. Wer sich auf das Stück einlässt, bekommt kein gefälliges Festivalformat, sondern eine Arbeit, die auf Reibung setzt und das Publikum nicht schonen will.

Gerade darin liegt der Reiz, aber auch die Ermüdung des Abends. Chaillons Theater ist politisch, körperlich und oft bewusst unbequem. Bei den Wiener Festwochen trifft das auf ein Publikum, das sich auf Experimente eingestellt hat – und hier mit einer Inszenierung konfrontiert wird, die diesen Anspruch bis an die Belastungsgrenze zieht.

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