Eine Zugreise nach Posen in Großpolen setzt in einer Erzählung von Dominik Barta eine Kette aus Beobachtungen, Abschweifungen und literarischen Fantasien in Gang. Ausgangspunkt ist ein beruflicher Auftrag: In einer Lagerhalle einer mittelständischen Firma in Posen kommt es zu wiederholten Störungen der elektronischen Lagerlogistik, und der Autor wird entsandt, um der Sache nachzugehen.
Statt eines Flugtickets gibt ihm sein Chef wegen dessen Flugangst eine Fahrkarte für die erste Klasse im Zug. Von dort entwickelt sich der Text rasch weg vom nüchternen Arbeitsauftrag hin zu einer literarischen Reflexion über die Wirkung von Büchern und die Anziehungskraft ihrer Helden. Die Reise wird damit zum Anlass, über jene Figuren nachzudenken, die Leserinnen und Leser so stark beschäftigen, dass sie sich mit ihnen identifizieren oder in sie verlieben können.
Im Zentrum steht dabei Fabrizio del Dongo, eine Figur aus Stendhals Roman Die Kartause von Parma. Bartas Erzähler lässt sich von dieser Projektionsfläche mitreißen und spannt den Bogen von der realen Zugfahrt in Polen bis in eine Welt, in der die Grenzen zwischen Wirklichkeit, Vorstellung und literarischer Begierde verschwimmen. Der Ton bleibt spielerisch, die Bewegung des Textes aber klar: Aus einer technischen Störung wird ein Nachdenken über Fantasie, Begehren und die Frage, warum bestimmte Romanfiguren länger nachwirken als andere.
Gerade in der Kultur zeigt sich daran ein vertrautes Motiv: Literatur erzählt nicht nur Geschichten, sie erzeugt Bindungen. Barta macht diese Erfahrung zum Kern seiner Erzählung und setzt auf die Dynamik zwischen Alltag und Imagination. Das Alltägliche bleibt dabei der Auslöser, das Literarische die eigentliche Bühne.









