Der libanesische Präsident Joseph Aoun hat Israel einen Nichtangriffspakt vorgeschlagen und damit eine neue diplomatische Initiative im konfliktreichen Verhältnis beider Länder angestoßen. Aoun erklärte nach Angaben der libanesischen Staatsführung, der Libanon sei bereit, über eine Vereinbarung zu sprechen, die einen dauerhaften Verzicht auf Angriffe festschreiben könnte.
Der Vorstoß kommt in einer Phase, in der die Lage im Nahen Osten weiter angespannt bleibt. Israel und der Iran hatten sich seit dem Ende einer brüchigen Waffenruhe erneut mit Angriffen überzogen. Israel hatte am Montag nach iranischen Raketenangriffen Ziele im Iran attackiert und sich damit über eine Aufforderung von US-Präsident Donald Trump hinweggesetzt, auf Vergeltung zu verzichten. Beide Seiten erklärten ihre Angriffe inzwischen vorerst für beendet.
Der Libanon steht dabei weiter unter Druck. Die Grenze zu Israel ist seit Monaten ein möglicher Brandherd, weil die vom Iran unterstützte Hisbollah von libanesischem Gebiet aus immer wieder in die Auseinandersetzung hineinwirkt. Ein formeller Nichtangriffspakt zwischen Beirut und Jerusalem wäre politisch heikel, weil Libanon und Israel seit Jahrzehnten keinen Friedensvertrag haben und sich offiziell im Kriegszustand befinden.
Für Präsident Aoun ist der Vorschlag auch ein Signal an das Ausland. Der Libanon sucht seit langem nach Wegen, die militärische Eskalation an der Südgrenze einzudämmen und internationale Unterstützung für das krisengeplagte Land zu sichern. Zugleich bleibt offen, ob Israel auf das Angebot überhaupt eingeht. Zwischen beiden Staaten bestehen keine diplomatischen Beziehungen.
Der Vorstoß verdeutlicht, wie stark die regionalen Konflikte miteinander verknüpft sind. Während die direkten Angriffe zwischen Israel und dem Iran zuletzt wieder abebbten, rückt nun die libanesisch-israelische Front erneut in den Blick. Ob aus dem Angebot ein konkreter Verhandlungsprozess wird, ist unklar. Politisch markiert Aouns Initiative aber einen seltenen öffentlichen Versuch, die Front am Südlibanon über eine formelle Sicherheitsvereinbarung zu beruhigen.









