Die Ukraine hat nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskij mit eigenen Marschflugkörpern ein Rüstungswerk in der russischen Region Wolgograd getroffen. Der nächtliche Angriff habe auf dem Gelände der Fabrik Titan-Barrikady ein Feuer ausgelöst, schrieb Selenskij am Samstag auf Telegram. In dem Betrieb werden demnach Artilleriesysteme und Bauteile für Raketenwerfer hergestellt.
Der Gouverneur der Region Wolgograd, Andrej Botscharow, bestätigte Schäden an den „Produktionsanlagen eines Unternehmens“, ohne den Betrieb näher zu benennen. Nach seinen Angaben wurden mindestens zehn Menschen verletzt. Er sprach von angreifenden „Flugobjekten mit Hochgeschwindigkeit“, womit wohl Marschflugkörper gemeint waren. Mehrere lokale Brände seien gelöscht worden, Wohngebäude seien nicht betroffen gewesen.
Selenskij dankte der ukrainischen Armee für die „Präzision“ des Angriffs und bezeichnete die Schläge gegen russische Ziele im Hinterland als „Sanktionen mit großer Reichweite“. Der Umkreis dieser Angriffe werde ständig größer, schrieb er laut der Nachrichtenagentur Ukrinform.
Ukrainischer Marschflugkörper „Flamingo“ erstmals im Einsatz
Bei den eingesetzten Waffen dürfte es sich um den Marschflugkörper „Flamingo“ aus ukrainischer Produktion handeln. Das System war im vergangenen Sommer erstmals vorgestellt worden. Medienberichten zufolge soll es eine Reichweite von bis zu 3000 Kilometern haben. Frühere Einsätze zeigten allerdings, dass die Waffe nicht immer treffsicher war.
Angriffe auf russische Rüstungsbetriebe haben für Kiew auch eine symbolische Dimension. Solche Ziele gehören zu den zentralen Stützen der russischen Kriegsführung und sind zugleich schwerer zu schützen als militärische Stellungen an der Front. Mit Reichweiten im Bereich von mehreren tausend Kilometern kann die Ukraine nun nach eigenen Angaben auch weiter entfernte Rüstungsstandorte im russischen Hinterland erreichen.









