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KTM-Enduros im Verdacht: Wie gedrosselte Maschinen auf europäischen Straßen landen

Redaktionelle Szene zum Thema „KTM-Enduros im Verdacht: Wie gedrosselte Maschinen auf europäischen Straßen landen“

Europäische KTM-Händler sollen Geländemotorräder mit voller Leistung auf die Straße bringen, obwohl sie dort nur in gedrosselter Form zugelassen sind. Eine koordinierte Recherche mehrerer europäischer Medien kommt zu dem Schluss, dass damit systematisch Abgas- und Lärmvorschriften umgangen werden. KTM verweist die Verantwortung auf die Kunden, Fachleute widersprechen.

Im Zentrum stehen Enduros und Offroad-Bikes des oberösterreichischen Herstellers, die ab Werk so vorbereitet werden, dass sie zunächst als zulassungsfähige Fahrzeuge gelten. Nach Angaben aus der Recherche werden sie aber in vielen Fällen nach der Übergabe wieder entdrosselt und faktisch mit höherer Leistung im Straßenverkehr bewegt. Genau darin liegt der Vorwurf der sogenannten „Alibi-Zulassung“: Das Motorrad erfüllt formal die Vorgaben, ist im Alltag aber nicht in dem Zustand unterwegs, für den die Zulassung erteilt wurde.

Die Recherche wurde von der Organisation Climate Whistleblowers koordiniert und von mehreren europäischen Redaktionen getragen. Der Befund ist für KTM auch wirtschaftlich heikel, weil er nicht nur auf mögliche Verstöße einzelner Käufer oder Händler zielt, sondern auf ein breiteres Vertriebsmodell. Sollte sich der Verdacht erhärten, könnte das die Frage aufwerfen, wie streng der Hersteller seine Vertriebs- und Zulassungsprozesse tatsächlich kontrolliert.

Vorwurf: Formal zugelassen, praktisch illegal unterwegs

Nach den Recherchen verkaufen KTM-Händler in mehreren europäischen Ländern entdrosselte Geländemotorräder, die auf der Straße eigentlich nur in einer gedrosselten Version gefahren werden dürften. Damit würden die Fahrzeuge im realen Einsatz häufig den technischen Zustand verlieren, in dem sie zugelassen worden seien. Betroffen sind demnach nicht einzelne Ausnahmefälle, sondern ein System, das sich in der Branche offenbar weit verbreitet hat.

Für die Behörden ist das heikel, weil die Zulassung an konkrete technische Werte bei Leistung, Emissionen und Geräuschentwicklung gebunden ist. Wird ein Motorrad nachträglich manipuliert, kann es die Vorgaben nicht mehr erfüllen. Für Hersteller und Händler stellt sich damit die Frage, wie weit ihre Verantwortung reicht, wenn die Fahrzeuge zwar korrekt ausgeliefert, aber später gezielt verändert werden.

Branche unter Druck

Der Fall trifft KTM in einer Phase, in der der Motorradhersteller ohnehin unter wirtschaftlichem Druck steht. Das Unternehmen zählt zu den bekanntesten Marken im europäischen Offroad-Markt und ist gerade im Segment der Enduros stark positioniert. Sollte sich bestätigen, dass über Händlernetzwerke systematisch Fahrzeuge im nicht zulässigen Zustand auf die Straße gelangen, könnte das auch reputationsschädigende Folgen für die Marke haben.

Die zentrale Frage bleibt, ob es sich um vereinzelte Umgehungen handelt oder um eine im Markt akzeptierte Praxis, die Grenzwerte bei Lärm und Abgasen aushebelt. Die vorliegenden Recherchen legen Letzteres nahe. Für KTM und seine Händler dürfte damit nicht nur ein regulatorisches, sondern auch ein rechtliches und wirtschaftliches Risiko verbunden sein.

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