Mit dem ersten Lesetag ist in Klagenfurt die 50. Ausgabe des Bachmann-Preises eröffnet worden. Den nachhaltigsten Eindruck hinterließ dabei die ungarische Autorin Kinga Tóth, deren Auftritt am Donnerstag als besonders eigenständig und bitter-launig wahrgenommen wurde.
Der Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis zählt zu den wichtigsten literarischen Bewerben im deutschsprachigen Raum. In diesem Jahr steht er ganz im Zeichen des Jubiläums: Zum 50. Mal lesen Autorinnen und Autoren in Klagenfurt vor der Jury, die ihre Texte unmittelbar diskutiert und bewertet.
Am Auftakt des Lesetags setzte Tóth mit einem sprachlich dichten und gegenwartsnahen Text einen markanten Kontrapunkt. Der erste Tag war insgesamt von Stoffen geprägt, die stark in die Gegenwart greifen. Dazu zählte auch Fiona Sironics Beitrag „Mikrobieller Befall“, in dem zwei Freundinnen im Mittelpunkt stehen, die heute in einer Wohngemeinschaft leben und deren Verhältnis von Nähe, möglicher Liebesbeziehung und dem Wunsch nach Schutzräumen geprägt ist.
Sironic verknüpfte ihr Schreiben mit Motiven von weiblichen und queeren Figuren, Gewalt, Internetkultur und Klimafolgen. Schimmel- und Wasserflecken in der Wohnung wurden dabei zum Bild für Bedrohung und Zerfall. Die Jury reagierte auf diese Gegenwartsbezüge aufmerksam; einzelne Passagen stießen auf Zustimmung, andere auf Widerspruch.
Weniger Wohlwollen brachte die Jury dem Text von Kurt Prödel entgegen. Juror Philipp Tingler gab bereits früh zu verstehen, dass ihn die Lesung kaum überzeugt habe. Der Auftakt des Wettbewerbs zeigte damit, dass in Klagenfurt erneut um Ton, Form und literarische Relevanz gestritten wird – und dass Texte mit starkem Gegenwartsbezug in dieser Jubiläumsausgabe besonders genau geprüft werden.









