Mit „Dracula“ startet der neue Film des rumänischen Regisseurs Radu Jude jetzt in Österreichs Kinos. Der anarchische Kinointellektuelle, zuletzt mit „Kontinental ’25“ präsent, nimmt sich darin eine der bekanntesten Figuren der europäischen Popkultur vor und verbindet den Vampirmythos mit Künstlicher Intelligenz, Überforderung und erzählerischem Kontrollverlust.
Im Zentrum steht ein ratloser Drehbuchautor, der eine KI befragt, um aus den vielen Facetten rund um Vlad den Pfähler eine Geschichte zu formen. Was dabei entsteht, folgt laut der Beschreibung nicht einer klassischen Dramaturgie, sondern wirkt eher wie eine episodische Montage. Der Film arbeitet mit dem Gedanken, dass sich der Dracula-Mythos in Rumänien längst zwischen Nationalerzählung, Literaturkanon und Tourismus bewegt.
Jude setzt diesen Stoff nicht als geradliniges Historienkino um, sondern als Meta-Film über das Erzählen selbst. Der Zugriff ist bewusst überladen und chaotisch angelegt: Die KI liefert obskure und teils obszöne Bildwelten, die den Film weniger geordnet als spielerisch ausufern lassen. Gerade daraus bezieht die Produktion ihren Reiz – und ihre Sperrigkeit.
Die Auseinandersetzung mit Dracula ist in Rumänien seit jeher mehr als reine Genrefiktion. Der Stoff steht für nationale Selbstdeutung, für kulturelles Vermögen und für Vermarktung zugleich. Jude greift genau diese Ebenen auf und treibt sie ins Groteske. Der Film will den Mythos nicht glätten, sondern ihn auf seine Widersprüche hin offenlegen.
Für das österreichische Kinopublikum ist der Start auch ein Signal für ein ungewöhnliches Sommerkino jenseits der üblichen Neustarts. Zwischen Festivalware, Wiederaufführungen und Freiluftprogramm setzt „Dracula“ auf intellektuelle Reibung statt auf Wohlfühlatmosphäre. Wer einen konventionellen Vampirfilm erwartet, dürfte hier kaum fündig werden.
Stattdessen liefert Jude eine filmische Anti-Enzyklopädie über einen Mythos, der längst stärker von Projektionen lebt als von einer eindeutigen Erzählung. Dass er dafür ausgerechnet die Logik einer KI als Schreibwerkzeug einsetzt, passt zu einem Film, der Ordnung verspricht und Chaos produziert.









