Populisten profitieren nach Ansicht der Politologin Kathrin Stainer-Hämmerle oft von den Krisen, die sie selbst anheizen. «Populisten leben vom Feuer, das sie selbst legen», sagte die in Klagenfurt lehrende Wissenschaftlerin im Gespräch im Wiener Parlament. Wer mit Zuspitzung, Empörung und Vereinfachung arbeite, bekomme am Ende oft genau jene politische Erregung, von der er dann zehre.
Stainer-Hämmerle verwies dabei auch auf eine Veränderung in der politischen Kultur. Vor allem junge Menschen glaubten ihrer Beobachtung nach nicht mehr selbstverständlich daran, dass Politik zu etwas Gutem führen könne. Das schwäche das Vertrauen in demokratische Prozesse und öffne jene Kräfte, die mit einfachen Antworten und starker Führung werben.
Die Politologin, die viele wegen ihrer pointierten Analysen zur österreichischen Innenpolitik kennen, ordnet diese Entwicklung als Risiko für die Demokratie ein. Wenn sich der Wunsch nach Durchsetzungskraft mit wachsender Enttäuschung über die politische Wirklichkeit verbinde, steige die Anfälligkeit für populistische Angebote. Diese versprechen Klarheit, erzeugen nach ihrer Darstellung aber oft eher neue Konflikte als Lösungen.
Im Gespräch wurde auch deutlich, dass Stainer-Hämmerle politische Macht nicht mit reiner Durchsetzung verwechselt sehen will. Wer große Würfe ankündige, laufe immer auch Gefahr, große Fehler zu machen, sagte sie sinngemäß. Gerade in polarisierten Zeiten sei deshalb politische Zurückhaltung oft klüger als der Ruf nach schnellen, maximalen Entscheidungen.
Stainer-Hämmerle, die in Vorarlberg aufgewachsen ist und an der Universität Klagenfurt lehrt, zählt seit Jahren zu den prägenden Kommentatorinnen der Innenpolitik. Sie verbindet ihre Analyse der politischen Gegenwart mit einem grundsätzlichen Plädoyer für Freiheit, Streitkultur und die Fähigkeit, Komplexität auszuhalten. Ihr Blick auf Populismus zielt dabei weniger auf einzelne Personen als auf die Dynamik, die aus Zuspitzung, Frust und Inszenierung entsteht.









