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Jan Völker warnt vor den Folgen der Identitätspolitik

Redaktionelle Szene zum Thema „Jan Völker warnt vor den Folgen der Identitätspolitik“

Der deutsche Philosoph Jan Völker sieht in der Identitätspolitik eine Entwicklung, die „viel zerstört“ habe. Nach seinem ersten Jahr als Professor an der Universität für angewandte Kunst in Wien plädiert er für mehr Offenheit gegenüber Ambivalenz und schwer verfügbarem Wissen – und damit für ein Denken, das sich nicht auf feste Zugehörigkeiten und klare Zuschreibungen verengt.

Völker, der an der Wiener Hochschule angehende Künstlerinnen und Künstler unterrichtet, hat sich in den vergangenen Jahren vor allem mit Fragen von Kapitalismus, Subjektivität und gesellschaftlichen Deutungsmustern beschäftigt. In seinem jüngsten Buch „Ein Weltall des Kapitals“ entwirft er das Bild eines entfesselten Systems, das ins All ausgreift, um der kollabierenden Erde auszuweichen. Auch in Wien steht für ihn die Auseinandersetzung mit den Bedingungen des Denkens im Zentrum.

Sein Fokus liegt dabei auf einer Ausbildung, die nicht auf eindeutige Positionen oder schnelle Gewissheiten zielt. Völker hält Ambivalenz nicht für ein Defizit, sondern für eine notwendige Ressource künstlerischer und intellektueller Arbeit. Wer sich nur noch über Identitäten definiere, verliere den Blick für Widersprüche, offene Fragen und die Komplexität gesellschaftlicher Konflikte, so seine Stoßrichtung.

Die Kritik an der Identitätspolitik reiht sich in eine breitere Debatte ein, die an Universitäten und Kunsthochschulen seit Jahren geführt wird. Befürworter sehen in ihr ein Instrument, um Diskriminierung sichtbar zu machen und marginalisierte Gruppen zu stärken. Kritiker wiederum warnen vor einer Verengung des politischen und kulturellen Diskurses auf Zugehörigkeiten und Betroffenheiten. Völker positioniert sich klar auf der skeptischen Seite dieser Auseinandersetzung.

Für die Wiener Kunsthochschule ist der Lehransatz deshalb auch eine Frage der Haltung: Nicht Eindeutigkeit, sondern das Aushalten von Unschärfe soll künftige Künstlerinnen und Künstler prägen. Völker setzt damit auf ein Denken, das sich nicht vorschnell festlegt – und das gerade im Kulturbereich als Korrektiv gegen ideologische Verhärtungen verstanden werden kann.

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