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Gedenken am Loibl rückt Täter des KZ in den Fokus

Redaktionelle Szene zum Thema „Gedenken am Loibl rückt Täter des KZ in den Fokus“

Am Loiblpass in Kärnten ist am Samstagvormittag der Opfer des ehemaligen KZ Loibl-Nord gedacht worden. Bei der jährlichen Gedenkfeier auf der Kärntner Seite stand heuer nicht nur das Erinnern an die Häftlinge im Vordergrund, sondern auch die Auseinandersetzung mit den Tätern und ihren Netzwerken.

Das Mauthausen Komitee Kärnten/Koroška lädt jedes Jahr zur Kranzniederlegung an der Gedenkstätte ein. Dort mussten Häftlinge aus ganz Europa unter unmenschlichen Bedingungen den Loibltunnel für eine wintersichere Verbindung zwischen dem Deutschen Reich und dem Balkan errichten. Viele von ihnen starben an den Folgen der Zwangsarbeit oder wurden ermordet.

Im Mittelpunkt der heurigen Feier stand unter anderem der frühere SS-Lagerarzt Siegbert Ramsauer. Er war im KZ Loibl-Nord eingesetzt, quälte Häftlinge und wurde später wegen seiner Verbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Haft dauerte jedoch nur bis 1954, danach wurde Ramsauer begnadigt und entlassen. Später arbeitete er im Landeskrankenhaus Klagenfurt und führte auch eine eigene Arztpraxis in der Landeshauptstadt.

Der Vorsitzende des Mauthausen-Komitees Kärnten/Koroška, Manfred Morokutti, sprach bei der Gedenkfeier davon, dass Verfolgung und Mord nur durch die Mithilfe von Zehntausenden möglich gewesen seien. Es gehe darum zu fragen, wie sich ein System etablieren konnte, in dem Menschen zu Tätern wurden und gezielte Feindbilder geschaffen werden konnten.

Landeshauptmann Daniel Fellner (SPÖ) bezeichnete die Gedenkstätte als Mahnmal dafür, wozu Menschen fähig seien. Die Verantwortung liege bei jedem Einzelnen, die Stimmen der Zeitzeugen weiterzutragen. Das Wissen über die Vergangenheit nütze nur dann, wenn daraus Lehren und Konsequenzen gezogen würden, sagte Fellner. Demokratie sei stark, aber nicht unzerstörbar.

Als Festrednerin erinnerte auch Nationalratsabgeordnete Alma Zadić, frühere Justizministerin, an die Rolle von Mitläufern, Profiteuren und Wegsehern. Verbrechen dieser Größenordnung geschähen nicht durch Fanatiker allein, sondern durch jene, die mitmachten, rechtfertigten oder später nichts mehr wissen wollten, sagte sie sinngemäß. Ohne die jahrzehntelange Erinnerungsarbeit wäre die Gedenkstätte auf dem Loiblpass nicht in dieser Form möglich.

Der Loiblpass und der dortige Tunnelbau stehen bis heute für ein Gewalt- und Ausbeutungssystem, in dem rund 1.800 Häftlinge des KZ Mauthausen eingesetzt wurden. Unter ihnen waren Franzosen, Polen, Jugoslawen und Sowjets. Die alljährliche Gedenkfeier soll die Erinnerung an die Opfer wachhalten und zugleich die Verantwortung für die Aufarbeitung der NS-Verbrechen betonen.

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