Der französische Energiekonzern Totalenergies muss in seinen Klimabilanzen künftig auch die indirekten CO₂-Emissionen seiner Kunden ausweisen. Ein Gericht in Paris entschied am Donnerstag, dass der Öl- und Gaskonzern nicht nur die Emissionen aus Förderung, Verarbeitung und Vertrieb anführen muss, sondern auch jene, die bei der Nutzung seiner Produkte entstehen – etwa durch Autofahrten oder das Heizen mit fossilen Brennstoffen.
Im Zentrum steht damit der in der Klimaberichterstattung zentrale Bereich der sogenannten Scope-3-Emissionen. Darunter fallen Treibhausgase, die nicht im eigenen Betrieb anfallen, aber durch die Verwendung verkaufter Produkte verursacht werden. Für Erdöl- und Gaskonzerne ist dieser Punkt besonders heikel, weil der überwiegende Teil der Klimawirkung ihrer Geschäfte nicht in den Raffinerien oder Förderanlagen entsteht, sondern beim Verbrennen der Produkte durch Kunden.
Die Entscheidung kommt in einer Phase, in der Öl- und Gasunternehmen europaweit verstärkt unter Druck stehen, ihre Klimastrategien transparenter zu machen und juristisch für ihre Emissionen geradestehen zu müssen. Totalenergies zählt zu den größten Energiekonzernen Europas und positioniert sich zwar auch im Bereich erneuerbarer Energien, bleibt aber stark im Geschäft mit fossilen Rohstoffen verankert.
Die Klage hatte auch politische Unterstützung in Frankreich. Die Pariser Stadtregierung, die sich dem Verfahren angeschlossen hatte, sprach nach dem Urteil davon, dass die Justiz damit eine Sorgfaltspflicht der Großkonzerne für Klimarisiken anerkenne. Umweltorganisationen werteten die Entscheidung als Signal mit weitreichenden Folgen für die Branche.
Für Totalenergies bedeutet das Urteil zunächst vor allem mehr Offenlegungspflichten in der Berichterstattung. Zugleich könnte der Spruch über Frankreich hinaus Wirkung entfalten, weil Scope-3-Emissionen in der internationalen Klimadebatte zu einem der umstrittensten Punkte gehören. Klimaschützer sehen darin einen Hebel, um Öl- und Gasfirmen stärker auf die tatsächlichen Folgen ihres Geschäftsmodells zu verpflichten. Für die Konzerne steigt damit der Druck, nicht nur ihre eigene Produktion, sondern die gesamte Wertschöpfungskette klimatisch zu bilanzieren.









