Die Eurozone ist nach Einschätzung von EZB-Direktorin Isabel Schnabel trotz gesunkener Ölpreise noch nicht über den Berg. Die Wirtschaft habe sich nach den jüngsten Spannungen im Nahen Osten zwar etwas stabilisiert, von einer Rückkehr zur Lage vor dem Iran-Krieg könne aber keine Rede sein, sagte Schnabel am Montag in Rom.
Vor allem die Kerninflation bleibe hoch, betonte die deutsche Ökonomin. Damit ist jene Teuerung gemeint, die schwankungsanfällige Preise für Energie und Lebensmittel ausklammert und als wichtiger Gradmesser für den binnenwirtschaftlichen Preisdruck gilt. Sinkende Rohölnotierungen allein reichten daher nicht aus, um Entwarnung zu geben.
Schnabel verwies zugleich auf weitere Risiken für die Preisentwicklung. Hitzewellen in Europa oder ein starker Super-El-Niño könnten die Lebensmittelpreise nach oben treiben. Solche Schocks treffen in der Eurozone besonders rasch Haushalte mit niedrigem Einkommen, weil Nahrungsmittel einen größeren Anteil am Budget ausmachen.
Für die Europäische Zentralbank bleibt damit die Inflationslage heikel. Zwar hat sich die Teuerung in der Eurozone gegenüber den Höchstständen der vergangenen Jahre deutlich abgeschwächt, doch die Notenbank beobachtet weiterhin genau, wie sich Energiepreise, Löhne und Lebensmittelkosten entwickeln. Gerade bei geopolitischen Spannungen sei es zu früh, von einer dauerhaft entspannten Lage auszugehen, machte Schnabel deutlich.
Die EZB hadert seit Monaten mit einem Abwägungsproblem: Einerseits haben die Leitzinserhöhungen die Inflation spürbar gedämpft, andererseits schwächt die restriktive Geldpolitik die Konjunktur. Aussagen aus dem Direktorium wie jene Schnabels unterstreichen, dass die Notenbank trotz jüngster Entspannung bei einzelnen Preiskomponenten an ihrer vorsichtigen Linie festhält.









