Die EU-Staaten haben ihre Einfuhren von russischem Flüssigerdgas in diesem Jahr deutlich gesteigert, obwohl Brüssel die Gasimporte aus Russland schrittweise beenden will. Zwischen Jänner und Mai legten die LNG-Importe aus Russland um ein Fünftel zu, nachdem Lieferungen aus dem Nahen und Mittleren Osten mehr als halbiert worden waren. Der Konflikt in der Golfregion hat damit den europäischen Gasmarkt spürbar verschoben.
Flüssigerdgas, kurz LNG, wird per Schiff transportiert und erst nach der Anlandung wieder in Gas umgewandelt. Gerade diese Form der Einfuhr hat für die EU an Bedeutung gewonnen, seit Pipeline-Lieferungen aus Russland weitgehend weggebrochen sind. Nach Angaben der Europäischen Kommission stammt noch immer ein beträchtlicher Teil der verbliebenen russischen Gasimporte aus LNG, während die EU zugleich an ihrem Ziel festhält, spätestens 2027 kein russisches Erdgas mehr zu beziehen.
Die Entwicklung zeigt, wie schwer sich die Union von russischer Energie löst. Zwar sind die Pipeline-Importe seit dem russischen Angriff auf die Ukraine stark zurückgegangen, doch LNG bleibt ein Ausweichkanal für europäische Käufer. Neben russischen Lieferungen spielen dabei auch Lieferungen aus den USA, Katar und anderen Exportländern eine wichtige Rolle für die Versorgungssicherheit.
Der neue Schub bei russischem LNG kommt für die EU politisch zur Unzeit. Einerseits will sie ihre Abhängigkeit von Moskau weiter verringern, andererseits bleibt der Gasmarkt durch Krisen in anderen Regionen anfällig für Preisschwankungen und Umlenkungen von Handelsströmen. Für die Mitgliedstaaten bedeutet das: Mehr Tanker statt Pipeline hilft kurzfristig bei der Versorgung, ändert aber wenig an der grundlegenden Abhängigkeit von globalen Gaslieferungen.









