Die Welt steht nach Einschätzung von Paul Shrivastava vor einem ökologischen und wirtschaftlichen Kipppunkt, doch der Präsident des Club of Rome hält den Kollaps nicht für unausweichlich. Entscheidend sei, dass Politik und Wirtschaft nicht länger so handelten, als stünden Rohstoffe, Energie und Natur unbegrenzt zur Verfügung, sagte Shrivastava in einem Gespräch anlässlich der aktuellen Debatte über Klimafolgen, Ressourcenverbrauch und Wachstum.
Der Club of Rome gilt seit Jahrzehnten als eine der einflussreichsten Denkfabriken im Streit über die Grenzen des Wachstums. Bekannt wurde die Organisation 1972 mit der Studie „Die Grenzen des Wachstums“, die früh vor den Folgen eines ungebremsten Ressourcenverbrauchs warnte. Heute steht vor allem die Frage im Raum, wie Industriestaaten ihre Wirtschaftsweise umbauen können, ohne soziale Verwerfungen zu verschärfen.
Shrivastava verweist dabei auf einen Grundkonflikt, der auch in Österreich und der EU immer stärker die wirtschaftspolitische Debatte prägt: Die Volkswirtschaften sind auf stetiges Wachstum ausgerichtet, zugleich steigen die Kosten für Energie, Klimaanpassung und den Umbau der Infrastruktur. Unternehmen und Staaten müssten daher stärker auf Kreislaufwirtschaft, Effizienz und den geringeren Verbrauch von Energie und Material setzen, statt Probleme allein mit technologischem Fortschritt lösen zu wollen.
In der Wirtschaftspolitik wird seit Längerem darüber diskutiert, wie sich Wettbewerbsfähigkeit und Klimaziele verbinden lassen. Für die Industrie geht es um Investitionen in neue Produktionsverfahren, für den Finanzsektor um die Frage, welche Projekte künftig noch als zukunftsfähig gelten. Auch Lieferketten, Rohstoffabhängigkeit und die Versorgungssicherheit bei Energie bleiben zentrale Risiken.
Der Club of Rome fordert seit Jahren eine Abkehr von kurzfristigen Wachstumszielen und mehr Orientierung an langfristiger Stabilität. Dazu zählen laut seinen Positionen ein sparsamerer Umgang mit Ressourcen, eine Umstellung des Steuersystems zugunsten von Arbeit statt Umweltverbrauch sowie ein stärkeres Gewicht für soziale Gerechtigkeit, damit der Umbau politisch durchsetzbar bleibt.
Für Unternehmen bedeutet das zusätzlichen Druck, aber auch neue Chancen. Wer früh auf effizientere Anlagen, Reparatur, Wiederverwendung und langlebigere Produkte setzt, kann Kosten senken und sich auf strengere Regeln einstellen. Zugleich wächst der Druck auf Politik und Wirtschaft, glaubwürdige Antworten auf Klimaerwärmung, Artenverlust und hohe Abhängigkeit von fossilen Energien zu liefern.









