Die Vorgabe, 40 Prozent der Güter auf die Schiene zu verlagern, gilt Fachleuten als kaum erreichbar. Eine Mitfahrt in einem Güterzug macht sichtbar, woran es im Alltag der Bahn hakt: an knappen Fahrplänen, komplizierten Umstiegen, langen Wartezeiten und einer Infrastruktur, die den Betrieb oft ausbremst.
Schon der Treffpunkt des Lokführers Christoph am Grenzbahnhof Hegyeshalom zeigt das Problem. Er muss nicht nur die Strecke kennen, sondern auch die Lok beherrschen; fahren darf er ausschließlich, wofür er theoretisch geschult und praktisch eingearbeitet wurde. Selbst eine scheinbar einfache Verladung oder eine Übergabe wird dadurch zu einem Vorgang, der von vielen Regeln und Zuständigkeiten abhängt.
Der Weg zum Einsatzort ist dabei alles andere als geradlinig. Weil es zur vorgegebenen Zeit keine passende Verbindung gibt, muss Christoph in Bruck an der Leitha umsteigen und warten. Solche Brüche im Ablauf sind im Güterverkehr besonders teuer, weil Züge nicht wie im Personenverkehr einfach auf die Minute ignoriert werden können: Jeder Stillstand kostet Zeit, Personal und Trassenkapazität.
Genau an dieser Stelle wird ein strukturelles Problem der Schiene deutlich. Wer mehr Fracht von der Straße auf die Bahn bringen will, braucht verlässliche Korridore, abgestimmte Anschlüsse und genügend Kapazitäten auf den stark belasteten Strecken. Im Güterverkehr reichen punktuelle Verbesserungen nicht aus, wenn die Abläufe an Grenzen, Bahnhöfen und Übergabepunkten regelmäßig stocken.
Hinzu kommt der Personal- und Ausbildungsaufwand. Lokführer wie Christoph sind auf bestimmte Fahrzeuge und Strecken ausgebildet. Das schafft Sicherheit, macht den Einsatz aber auch weniger flexibel. Fällt eine Verbindung aus oder ändert sich kurzfristig der Plan, lässt sich das nicht beliebig auffangen.
Die Mitfahrt zeigt damit weniger ein einzelnes Ärgernis als ein Systemproblem: Die Bahn kann im Güterverkehr nur dann mehr leisten, wenn Infrastruktur, Taktung und Ausbildung zusammenpassen. Solange das nicht der Fall ist, bleibt das politische Ziel, große Teile des Güterverkehrs auf die Schiene zu bringen, weit entfernt.









