Hans Schmid hat sich 2007 ein Wirtshaus in Heiligenstadt gekauft und daraus eines der auffälligsten Lokale des Bezirks gemacht. Der Unternehmer, der einst mit der Werbeagentur GGK zu den bekanntesten Namen der Branche zählte, hat den Pfarrwirt nicht nur als Gastronomiebetrieb erhalten, sondern auch als Ort mit deutlich persönlicher Handschrift geprägt.
Schmid ist in Wien seit Jahren mit sehr unterschiedlichen Projekten präsent. Er war Mitgründer der Agentur GGK, beteiligte sich an Publikationen wie dem „Wiener“, war Herausgeber von „A la Carte“ und der „AZ“, kaufte das Kaufhaus Steffl und engagierte sich als Präsident und Mäzen der Vienna Capitals. Dazu kamen Kunst- und Literaturinitiativen, etwa rund um Christine Lavant und die Sammlung Gugging. Der Pfarrwirt fügt sich in diese Reihe von Unternehmungen ein, bei denen Schmid immer wieder auf Orte mit Geschichte und Ausstrahlung setzt.
Im Fall des Pfarrwirts stand zunächst das Haus selbst im Mittelpunkt. In Heiligenstadt, nahe dem Weinbau und unweit des Pfarrplatzes, gehört das Gebäude zu jenen traditionellen Wiener Wirtshäusern, deren Charakter nicht nur vom Essen, sondern auch vom Ambiente lebt. Schmid ließ den Betrieb nach dem Kauf behutsam weiterentwickeln und machte aus dem Haus einen Treffpunkt, der sowohl das klassische Heurigenpublikum als auch ein städtisches Ausgehpublikum anspricht.
Dass er sich gerade für ein solches Lokal interessierte, überrascht nicht völlig. Schmid ist seit langem eng mit Wein und Gastronomie verbunden. Schon 2001 hatte er die Immobilie des Weinguts am Nussberg samt Weingärten erworben, später kam das Weingut Mayer am Pfarrplatz mit Heurigem dazu. Der Pfarrwirt passte damit in ein bereits bestehendes Ensemble von Ausflugs- und Genussorten, die Schmid in Wien über die Jahre aufgebaut hat.
Der Lokalaugenschein zeigt vor allem eines: Der Pfarrwirt lebt nicht nur von seiner Lage in Heiligenstadt, sondern auch von der Verbindung aus Tradition und gepflegter Inszenierung. Genau darauf hat Schmid offenbar gesetzt. Das Wirtshaus wirkt heute weniger wie ein bloß betriebener Gastronomiestandort als wie ein sorgfältig kuratierter Ort, an dem Wiener Wirtshauskultur, Geschichte und Anspruch zusammenfinden.









