Ein anonymes Gemälde eines norditalienischen Meisters ist in Italien wegen eines Zahlenfehlers um 500 Jahre zu jung datiert worden. Die „Madonna mit Kind“ wurde von Experten des Kulturministeriums zunächst auf 1850 statt auf 1350 gesetzt. Damit lag die bisherige Bewertung nicht nur zeitlich falsch, sondern auch finanziell weit unter dem tatsächlichen Marktwert des Werks.
Nach der Korrektur taxieren internationale Fachleute das Bild aus der Region Emilia-Romagna auf mehr als eine halbe Million Euro. Zuvor war es mit 38.000 Euro veranschlagt worden. Der Irrtum basierte auf einer Verwechslung der Jahreszahl, die das Werk aus dem 14. Jahrhundert in ein Umfeld des 19. Jahrhunderts rückte.
Das Gemälde war ursprünglich von den Behörden als weniger bedeutend eingestuft worden. Mit der neuen Datierung gilt es nun als deutlich selteneres Beispiel mittelalterlicher italienischer Malerei und damit als kunsthistorisch wie ökonomisch wesentlich wertvoller. Der Fall zeigt, welche Folgen selbst ein einzelner Fehler bei der Einordnung antiker oder alter Kunstwerke haben kann.
Nach der gerichtlichen Entscheidung darf das Werk verkauft werden. Für Eigentümer und potenzielle Käufer ist die Korrektur entscheidend, weil sie nicht nur den Preis, sondern auch die kulturhistorische Bedeutung des Bildes verändert. Gerade bei anonymen Altmeisterwerken aus Norditalien hängt die Bewertung oft stark von stilistischen Zuschreibungen, Datierung und Erhaltungszustand ab.
Die „Madonna mit Kind“ stammt laut der nun korrigierten Einschätzung aus dem Jahr 1350. Damit fällt sie in eine Phase, in der in Italien die Voraussetzungen für die Renaissance noch nicht erreicht waren, die Malerei aber bereits stark von regionalen Schulen geprägt wurde. Für Sammler und Museen ist das Werk damit weitaus attraktiver als zunächst angenommen.









