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Antonio Fian: Wenn der Radweg zur Barriere wird

Redaktionelle Szene zum Thema „Antonio Fian: Wenn der Radweg zur Barriere wird“

Ein alter Mann versucht in Antonio Fians neuem Stück in Wien-Leopoldstadt vergeblich, den Radweg an der Ecke Praterstraße/Heinestraße zu queren. Vor dem Zebrastreifen, beim Gasthaus Hansy, wird er von einer dichten Kolonne aus Fahrrädern und E-Rollern aufgehalten, die ungebremst vorbeifahren. Die Szene bildet den Auftakt zu einem „Drama in drei Akten“, das den Alltag zwischen Fußgängern, Radverkehr und E-Mobilität pointiert zuspitzt.

Fian setzt damit an einem Konflikt an, der in vielen Städten längst zum Alltag gehört: Wer zu Fuß unterwegs ist, findet auf Gehsteigen und an Übergängen oft keinen klaren Vorrang, wenn sich Rad- und E-Scooter-Verkehr verdichten. Der erste Akt beschreibt keine abstrakte Verkehrsstörung, sondern eine konkrete, beiläufige Situation aus dem Wiener Stadtraum – und macht daraus ein Sinnbild für das, was aus dem Tritt geraten ist.

Die Ausgangslage ist schlicht, der Effekt aber eindeutig. Auf dem Gehsteig steht ein Wartender, vor ihm zieht Verkehr vorbei, der ihn nicht passieren lässt. Aus dem kleinen Ortsbild entwickelt Fian eine Szene über Stillstand und Ohnmacht. Schon der im Feed mitgelieferte Tonfall verweist darauf: Hoffen nütze nichts, diszipliniertes Warten bedeute nur Stillstand.

Antonio Fian, der seit Jahren mit sprachlich zugespitzten Miniaturen, Szenen und Prosastücken auf politische und gesellschaftliche Reibungen reagiert, arbeitet hier mit derselben Beobachtungsschärfe. Der Text richtet den Blick weniger auf spektakuläre Eskalation als auf die Reibung im Alltäglichen. Gerade dadurch wird die Passage an der Praterstraße/Heinestraße zum präzisen Bild für einen öffentlichen Raum, in dem Rücksicht und Regelklarheit nicht selbstverständlich sind.

Dass der Konflikt um den Platz auf Gehsteigen und Radwegen in Wien regelmäßig geführt wird, verleiht der Szene zusätzlichen Gegenwartsbezug. Fians Stück greift diese Erfahrung nicht mit Thesen auf, sondern über eine beobachtete Situation, in der sich die Fronten ohne große Worte zeigen: Der Fußgänger wartet, die Fahrräder und E-Roller fahren weiter. Mehr braucht es im ersten Akt nicht, um das Spannungsfeld zu markieren.

Der Text bleibt damit im Register der Kultur und der literarischen Verdichtung. Aus einem unscheinbaren Straßenausschnitt macht Fian eine kurze, scharf beobachtete Studie über Verkehrsraum, Geduld und das Recht, überhaupt durchzukommen.

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