Die Stadt Wien will ihre Kulturförderung künftig deutlich kurzfristiger vergeben: Förderverträge sollen in allen Bereichen der Kunst und Kultur im Regelfall nur noch für ein Jahr abgeschlossen werden. Mehrjährige Gesamtförderungen bleiben laut Beschluss im Kulturausschuss nur mehr in „absoluten und besonders begründeten Ausnahmefällen“ möglich.
Betroffen sind demnach die darstellende Kunst ebenso wie die bildende Kunst, Film und Literatur. Die bisher in Wien über Jahrzehnte übliche Praxis längerer Förderzusagen wird damit aufgegeben. Der Gemeinderat soll die neue Linie noch im Juni endgültig beschließen.
Für viele Einrichtungen und Projekte bedeutet der Wechsel weniger Planungssicherheit. Gerade im Kulturbetrieb, der oft mit langfristigen Spielplänen, Personalentscheidungen, Produktionsvorläufen und mehrjährigen Festival- oder Ausstellungsformaten arbeitet, können einjährige Zusagen die finanzielle Kalkulation erschweren. Ob und in welchen Fällen dennoch längere Förderungen möglich bleiben, soll nach Angaben aus der Stadtverwaltung über Gespräche mit dem Finanzressort geklärt werden.
Die Stadt setzt damit auf ein Modell, das offenbar mehr Flexibilität im Budgetvollzug bringen soll. Gleichzeitig steigt für geförderte Institutionen der Druck, jedes Jahr neu um Zusagen anzusuchen. Für den Wiener Kultursektor ist das eine spürbare Verschiebung, weil mehrjährige Förderungen bisher als wichtiges Instrument galten, um künstlerische Arbeit über mehrere Spielzeiten oder Produktionsphasen hinweg abzusichern.
Wie weitreichend die Ausnahmen in der Praxis sein werden, dürfte erst mit der Umsetzung und den künftigen Förderentscheidungen sichtbar werden. Klar ist schon jetzt: Die Stadt Wien verabschiedet sich im Kulturbereich von einem System, das auf längere Laufzeiten und größere Vorhersehbarkeit ausgelegt war.









