Extrem gewaltvolle Inhalte im Netz können auf Kinder und Jugendliche eine gefährliche Sogwirkung entfalten. Nach dem Mord an einer 64-jährigen Pensionistin am Friedhof Baumgarten in Wien rückte das Thema erneut in den Fokus: Die verurteilte 14-Jährige hatte vor Gericht erklärt, sie habe fast täglich True-Crime-Beiträge, Serienmörder-Videos und sogenannte Gore-Inhalte konsumiert. „Das hat mir einen Kick gegeben“, sagte sie.
Mit „Gore“ sind ungefilterte, drastische Darstellungen von Gewalt gemeint – von Folter und Kriegstötungen bis zu Leichenfotos, Tierquälerei oder sexueller Gewalt. Solche Bilder und Videos verbreiten sich im Internet über eigene Seiten, Foren und Plattformen rasch weiter. Vor allem Jugendliche stoßen laut Fachleuten oft nicht zufällig darauf, sondern suchen aus Neugier, Langeweile oder dem Bedürfnis nach Grenzerfahrung gezielt nach immer härteren Inhalten.
Der langjährige Kriminalbeamte Wolfgang Dirisamer beschreibt Gore als Inhalte, die Gewalt „ungefiltert“ zeigen. Gerade rund um den Ukraine-Krieg und durch die Selbstdarstellungen des IS seien zahlreiche solcher Videos ins Netz gelangt. Für junge Nutzer könne das zu einer gefährlichen Gewöhnung führen: Wer regelmäßig brutale Bilder konsumiert, könne gegenüber realer Gewalt abstumpfen oder Reiz und Realität zunehmend vermischen.
Ein Fall, der Fragen nach Schutz und Kontrolle aufwirft
Im Wiener Verfahren wurde deutlich, wie eng digitale Gewaltfantasien und reale Gewalt zusammenfallen können. Die Jugendliche hatte die ihr unbekannte Frau nach eigenen Angaben zufällig ausgewählt und mehr als 80 Mal auf sie eingestochen. Das Gericht verurteilte sie im Juni zu acht Jahren Haft und ordnete die Einweisung in ein forensisch-therapeutisches Zentrum an.
Der Fall lenkt die Aufmerksamkeit auf ein Problem, das weit über ein einzelnes Delikt hinausgeht: Gewaltinhalte sind im Netz leicht zugänglich, oft ohne wirksame Alterskontrollen und jenseits klassischer Aufsicht. Für Eltern und Erziehungsberechtigte bedeutet das, genauer hinzusehen, welche Inhalte Jugendliche konsumieren, welche Plattformen sie nutzen und ob sich deren Medienverhalten verändert.
Fachleute raten, nicht erst bei auffälligen Handlungen zu reagieren. Entscheidend sei ein offenes Gespräch über Inhalte, die verstören oder Faszination auslösen, sowie klare Regeln für Smartphones, Social Media und Video-Plattformen. Denn gerade bei Jugendlichen könne sich aus einem anfänglichen Schock schnell eine problematische Gewöhnung entwickeln.









