Russland könnte seine Angriffe auf ukrainische Städte im Sommer deutlich intensivieren. Der Militäranalyst Franz-Stefan Gady hält es für möglich, dass Moskau angesichts der festgefahrenen Lage an der Front verstärkt auf den Luftkrieg setzt. Die ukrainische Flugabwehr steht damit nach Einschätzung von Experten vor einer neuen Belastungsprobe.
Hintergrund der Warnung ist die anhaltend schwierige Lage der russischen Streitkräfte am Boden. Trotz hoher Verluste und großer Materialabnützung ist es Moskau zuletzt nur begrenzt gelungen, im Osten und Süden der Ukraine nennenswerte Geländegewinne zu erzielen. Wenn die Front kaum noch Bewegung zulässt, gewinnen Angriffe aus der Luft für den Kreml strategisch an Bedeutung: Sie sind ein Mittel, um Druck auf die ukrainische Infrastruktur, Energieversorgung und Moral auszuüben, ohne selbst neue große Offensiven am Boden führen zu müssen.
Ukrainische Flugabwehr unter Druck
Besonders heikel ist die Lage für Kiew, weil die Luftverteidigung trotz westlicher Hilfe nur begrenzt überall gleichzeitig wirksam sein kann. Russland setzt seit Monaten auf eine Mischung aus Raketen, Marschflugkörpern und Kampfdrohnen, um die Abwehr zu überlasten. Je größer die Zahl der Angriffe, desto stärker steigt das Risiko, dass einzelne Ziele getroffen werden. Das gilt vor allem für Energieanlagen, Industrieziele und Wohngebiete in größeren Städten.
Die Sorge vor einer Eskalation des Luftkriegs kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Ukraine auf Nachschub an Abfangsystemen, Munition und Ersatzteilen angewiesen bleibt. Die westlichen Partner haben in den vergangenen Monaten wiederholt zusätzliche Unterstützung zugesagt, doch die Produktion von Flugabwehrmunition ist begrenzt und die Verteilung zwischen Front, Hauptstadt und anderen Städten bleibt ein logistisches Problem.
Militärische Logik statt schneller Durchbrüche
Für Russland spricht aus militärischer Sicht einiges dafür, den Druck aus der Luft zu erhöhen. Wenn der Bewegungskrieg am Boden stockt, können Angriffe auf die ukrainische Hinterland-Infrastruktur Teil einer Abnützungsstrategie werden. Ziel wäre es, Kosten und Unsicherheit auf ukrainischer Seite zu steigern und die Verteidigungsfähigkeit langfristig zu schwächen.
Ob es tatsächlich zu einer massiven Ausweitung kommt, hängt auch von der verfügbaren Munition, der Produktion und den Prioritäten des russischen Militärs ab. Sicher ist: Die Ukraine muss sich auf einen Sommer einstellen, in dem nicht nur die Front, sondern auch der Luftraum über den Städten zum zentralen Schauplatz des Krieges werden könnte.









