Der frühere ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow will nach seiner Entlassung in einer Regierungsumbildung zurück in das Amt. Vor dem Hintergrund angekündigter Proteste sagte der 43-jährige Politiker und Technologieexperte, für den Kriegsverlauf seien im Staat vor allem drei Positionen entscheidend: der Präsident, der Verteidigungsminister und der Oberkommandierende der Streitkräfte. Mit einem anderen Posten als jenem des Verteidigungsministers sei er nicht einverstanden.
Fedorow war vergangene Woche im Zuge des Umbaus der ukrainischen Regierung abberufen worden. Präsident Wolodymyr Selenskij hatte danach erklärt, dem bisherigen Minister mehrere andere Funktionen angeboten zu haben, darunter den Posten eines Vizeregierungschefs für militärische Innovationen. Fedorow lehnt diese Optionen den Angaben zufolge ab und beharrt auf der Rückkehr an die Spitze des Ressorts.
Der Fall hat in der Ukraine auch politische Sprengkraft, weil Fedorow nach Berichten aus Kiew in offenen Konflikt mit Armeechef Olexander Syrskyj geraten war. Der Streit zwischen dem als technikaffin geltenden Ex-Minister und dem militärischen Führungsstab war einer der Auslöser für die Debatte über die Besetzung der zentralen Sicherheitsämter in Kriegszeiten. Nach der Entlassung Syrskyjs durch Selenskij rückte nun Fedorows eigenes Schicksal in den Fokus.
Mehrere Tausend Menschen hatten in Kiew und anderen Städten gegen seine Absetzung demonstriert und seine Wiedereinsetzung verlangt. Die Organisatoren der Kundgebungen kündigten laut den vorliegenden Angaben weitere Proteste an, sollte Fedorow nicht in sein altes Amt zurückkehren. Parallel dazu hat Selenskij die neue Militärführung beauftragt, die Mobilmachung zu verbessern und die Rekrutierung von Soldaten zu stärken.
Fedorow zählt seit Jahren zu den bekanntesten Vertretern der ukrainischen Digital- und Reformpolitik. Seine mögliche Rückkehr wäre damit nicht nur eine Personalentscheidung, sondern auch ein Signal dafür, wie Selenskij die politische Führung der Kriegsverwaltung künftig ausrichten will.









