St. Pölten ist von seinem Ruf als „stinkende Stadt“ weit entfernt. Mit dem Ende der Viskosefabrik Glanzstoff, die jahrzehntelang wegen Schwefelgeruchs das Stadtbild prägte, ist auch das alte Industrie-Image der niederösterreichischen Landeshauptstadt Geschichte. Heute gilt die Stadt als breit aufgestellter Wirtschaftsstandort mit rund 60.000 Beschäftigten.
Früher bestimmten einzelne Großbetriebe wie Voith oder Glanzstoff das Bild. Heute ist die Wirtschaftsstruktur deutlich vielfältiger: Industrie, Handel und Dienstleistungen tragen den Standort gemeinsam. Zu den großen Arbeitgebern zählt inzwischen auch Spar. Das Unternehmen betreibt seit 1979 ein Logistikzentrum im Süden der Stadt und hat dort seine Präsenz deutlich ausgebaut. Nach Angaben des Unternehmens arbeiten am Standort inzwischen 1.000 Menschen, insgesamt sind es in St. Pölten 1.440 Beschäftigte.
Auch traditionelle Unternehmen wie die Papierfabrik Salzer zeigen den Wandel. Der Betrieb ist seit 1798 in Familienbesitz und zählt zu den ältesten Industriebetrieben der Stadt. Geschäftsführer Thomas Salzer sieht den Standort positiv entwickelt, verweist aber auf einen Engpass: Für Industrie und Produktion fehle zunehmend Fläche. Mit wachsender Stadt und steigender Nachfrage werde es schwieriger, geeignete Betriebsareale zu finden.
Die wirtschaftliche Entwicklung hat auch die Stadt selbst verändert. Heute leben in St. Pölten mehr als 60.000 Menschen. Früher kursierten deutlich ambitioniertere Prognosen, wonach die Stadt rasch auf 80.000 Einwohner wachsen könnte. Dieses Tempo hat sich nicht eingestellt. Aus Sicht der heimischen Wirtschaft ist das eher Vorteil als Nachteil: Das Wachstum sei stetig verlaufen, zugleich seien Schulen, Infrastruktur und Versorgung mitgewachsen.
Für den Handel im Zentrum zieht die Stadt ebenfalls Bilanz. Daniela Kittel, Obmann-Stellvertreterin der Plattform St. Pölten, spricht von einer positiven Entwicklung der Einkaufsstraßen und des Stadtlebens am Abend. Die Geschäftsflächen seien gut vermietet, das Zentrum wirke belebt.
Auch der Wirtschaftsforscher Peter Huber vom Wifo ordnet den Strukturwandel als Erfolg ein. St. Pölten habe Beschäftigung geschaffen, vor allem im öffentlichen Sektor und in den privaten Dienstleistungen. Zugleich hätten sich die Pendelbeziehungen zwischen Stadt und Umland grundlegend verändert. Dass sich auch das Image der Stadt verbessert habe, zeige sich nicht zuletzt im Tourismus, der in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt habe.









