In Southampton ist es am Dienstagabend zu schweren Krawallen gekommen, nachdem rechte Aktivisten einen tödlichen Messerangriff auf einen 18-jährigen Studenten politisch aufgeladen hatten. Hunderte Demonstranten attackierten laut Berichten Polizeibeamte mit Mistkübeln, Ziegelsteinen und einem E-Scooter, zerstörten Autoscheiben und setzten Behälter in Brand. Elf Polizisten wurden verletzt.
Auslöser der Ausschreitungen ist der Fall Henry Nowak, der im Dezember 2025 in Southampton nach einer Polizeikontrolle an seinen Stichverletzungen starb. Videoaufnahmen zeigten den Moment, in dem Beamte den 18-Jährigen in einem Wohngebiet in Handschellen legten. Zuvor hatte der spätere Täter, der 23-jährige Vickrum Digwa, nach Angaben aus dem Umfeld des Falls behauptet, Nowak habe ihn rassistisch angegriffen. Als Nowak erklärte, er selbst sei niedergestochen worden, glaubten ihm die Beamten zunächst nicht.
Digwa, der der indischen Sikh-Gemeinschaft angehört, wurde diese Woche zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach den Angaben aus dem Fall stach er Nowak mit einer 21 Zentimeter langen Klinge mehrfach in die Beine und ins Herz. Der Mordfall ist juristisch damit zwar abgeschlossen, politisch wird er aber von rechten Gruppen weiter ausgeschlachtet.
Reform-UK-Chef Nigel Farage sprach in einem Facebook-Video von „Genug mit den Vorurteilen gegen Weiße“ und stellte den Fall als Beleg dafür dar, dass die Polizei aus Angst, rassistisch zu erscheinen, bei weißen Personen grundsätzlich anders handle. Damit greift er eine Erzählung auf, die in Teilen der britischen Rechten seit Jahren verbreitet wird: Der Staat schütze Minderheiten zu sehr und benachteilige Weiße.
Die Familie des Opfers hatte ebenfalls Kritik an den Ermittlungen geäußert. Dass rechte Gruppen den Fall nun auf der Straße nutzen, verschärft den politischen Druck auf die Polizei und heizt die Debatte über Rassismus, Fehlurteile und öffentliche Sicherheit in England weiter an. In Southampton mündete das nun in offene Gewalt gegen Einsatzkräfte.
Der Fall reiht sich ein in eine Phase erhöhter Spannung in Großbritannien, in der rechte Mobilisierung immer häufiger an konkrete Kriminalfälle anknüpft. Für die Behörden wird damit nicht nur die Aufarbeitung des Einzelfalls zur Herausforderung, sondern auch die Eindämmung einer politischen Dynamik, die sich schnell in Protest und Gewalt übersetzt.









