Extrig.at

Die unabhängige Onlinezeitung für Österreich

Palästinensischer Regisseur Bashar Murkus bei den Wiener Festwochen

Redaktionelle Szene zum Thema „Palästinensischer Regisseur Bashar Murkus bei den Wiener Festwochen“

Der palästinensische Regisseur Bashar Murkus bringt mit dem Khashabi-Theater aus Haifa das „Banū Hilāl Epos“ zu den Wiener Festwochen. Murkus, der das 2011 gegründete Ensemble leitet, versteht das Projekt auch als Versuch, ein kulturelles Erbe zu bewahren, das in der Region zunehmend verdrängt worden sei. „Alles, wozu ich gehöre, wird ständig ausgelöscht“, sagt er in dem Gespräch.

Das Banū-Hilāl-Epos erzählt von der Wanderung eines Beduinenstamms von Arabien nach Nordafrika und geht auf historische Ereignisse aus dem 11. Jahrhundert zurück. Einst war der Stoff im gesamten Nahen Osten verbreitet, heute ist er vor allem in Ägypten noch präsent. Das Khashabi-Theater hat sich dieser Überlieferung angenommen und eine eigene Bühnenfassung entwickelt, die nun in Wien gezeigt wird.

Erbe, Sprache und politische Gegenwart

Murkus leitet das experimentelle Khashabi-Theater in Haifa, das sich als Teil einer freien palästinensischen Gesellschaft versteht. Mit der Beschäftigung mit dem Epos verbindet das Ensemble nicht nur historische Recherche, sondern auch die Frage, wie palästinensische Kultur unter den Bedingungen von Verdrängung und Konflikt weitergegeben werden kann. Der Zugang des Theaters ist dabei ausdrücklich politisch und kulturell zugleich.

Für die Wiener Festwochen ist die Produktion mehr als ein exotischer Import: Sie stellt ein Werk vor, das sich mit kollektiver Erinnerung, mündlicher Tradition und dem Fortbestand kultureller Identität beschäftigt. Gerade im Theater, wo Sprache, Erzählung und Körper im Raum zusammentreffen, gewinnt ein derart monumentaler Stoff besondere Präsenz. Murkus’ Arbeit zeigt, wie sich aus einem jahrhundertealten Epos ein zeitgenössischer Abend über Verlust, Zugehörigkeit und kulturelles Überleben formen lässt.

Diesen Artikel teilen