Der Österreichische Gewerkschaftsbund baut mit seinem „Chancen Nutzen Büro“ sein Angebot zur psychischen Gesundheit aus. Das Programm bietet österreichweit kostenlose Workshops, Beratungen und Coachings in Betrieben an und richtet sich vor allem an Menschen, die Belastungen wie Stress, Depression oder Burnout oft lange nicht ansprechen.
Besonders im Fokus stehen Männer. Sie suchen bei psychischen Problemen deutlich seltener Hilfe, obwohl Suizide in Österreich überwiegend Männer betreffen. Laut Manuela Scheffel, stellvertretender Leiterin des Programms, gab es 2024 insgesamt 1.219 Suizidopfer, 80 Prozent davon waren Männer.
Das Büro will Warnsignale früher sichtbar machen. Belastung äußere sich nicht immer in offener Überforderung, sondern bei Männern auch in Wut, Rückzug oder Alkoholkonsum, sagte Scheffel. In den Beratungen spiele auch soziale Isolation eine Rolle. Ziel sei es, mentale Probleme nicht erst dann zu behandeln, wenn sie bereits körperliche Folgen haben.
Ein Beispiel für den langen Weg bis zur Hilfe ist Werner Müller. Der frühere Automatisierungstechniker beschreibt, dass er seine Belastung zunächst nicht wahrhaben wollte. Erst körperliche Symptome und Angstzustände machten die Situation unübersehbar. Über das ÖGB-Angebot nahm er eine kostenlose Beratung in Anspruch. Heute arbeitet er als Kunsttherapeut.
Das Programm setzt nach Angaben des ÖGB auf ein breites Netzwerk in den Betrieben. Betriebsräte, Ärzte und Personalverantwortliche werden eingebunden und laden das Team regelmäßig zu Workshops über Stress und Burnout ein. Ergänzt wird das durch Einzelcoachings, in denen Beschäftigte über psychische, mentale und auch physische Gesundheit sprechen können.
Die Angebote stehen Betroffenen und Betrieben kostenlos zur Verfügung. Der Ansatz soll Hemmschwellen senken und frühzeitig helfen, bevor aus Dauerstress ernsthafte gesundheitliche Probleme werden.









