Der Schriftsteller Franzobel zeichnet in einem aktuellen Text ein düsteres Bild der Gegenwart: Keine Spezies richte so viel Schaden an wie der Mensch, zugleich gebe die Künstliche Intelligenz der Menschheit nur noch „hundert bis tausend Jahre“. Aus dieser Zuspitzung entwickelt er ein Plädoyer für ein stärkeres europäisches Selbstbewusstsein – und verbindet Kulturkritik mit der Frage, ob die Menschheit ihre eigene Zukunft noch im Griff hat.
Franzobel verknüpft seine Überlegungen mit naturgeschichtlichen und philosophischen Fragen. Warum Saurier ausgestorben sind, warum Insekten nicht größer werden oder warum Wale senkrecht schlafen, sind für ihn Beispiele dafür, dass die Natur keine moralischen Antworten liefert. Entscheidend sei vielmehr die Lage des Menschen auf der Erde – ein Planet, dessen schiefe Achse nach dieser Logik überhaupt erst Bedingungen für menschliches Leben geschaffen habe.
In den Mittelpunkt rückt dabei nicht nur die ökologische oder technologische Selbstgefährdung der Spezies, sondern auch eine kulturelle Selbstvergewisserung. Franzobel setzt den Alarm über die Endlichkeit des Menschen gegen ein Plädoyer, Europa nicht als erschöpfte Randfigur zu betrachten, sondern als Raum eigener geistiger und politischer Haltung. Der Gedanke dahinter: Wer die Gegenwart nur als Niedergang liest, verliert auch die Fähigkeit zur Gestaltung.
Der Text fällt in eine Zeit, in der Debatten über KI, menschliche Würde und die Verantwortung von Gesellschaften deutlich an Schärfe gewonnen haben. Dass Papst Leo XIV. in seiner ersten Enzyklika „Magnifica humanitas“ den Schutz der menschlichen Würde im KI-Zeitalter zum Thema macht, passt in diesen Kontext. Franzobels Zugriff ist allerdings weniger kirchlich als literarisch: Er arbeitet mit Zuspitzung, Ironie und großen Fragen über Herkunft, Selbstbild und Zukunft der Menschheit.
Gerade in der Kultur wirkt dieser Ton wie eine Gegenrede zur technischen Gegenwart. Er erinnert daran, dass die Frage nach Fortschritt nicht nur eine Frage von Rechenleistung oder Effizienz ist, sondern auch eine nach Maß, Verantwortung und Selbstverständnis. Zwischen Weltuntergangsrhetorik und europäischer Selbstbehauptung bleibt Franzobels Pointe damit vor allem eine Aufforderung, den Menschen nicht vorschnell abzuschreiben.









