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Marie Rötzer will die Josefstadt öffnen und weiblicher prägen

Redaktionelle Szene zum Thema „Marie Rötzer will die Josefstadt öffnen und weiblicher prägen“

Marie Rötzer setzt für ihre erste Spielzeit als künftige künstlerische Leiterin des Theaters in der Josefstadt auf mehr Autorinnen, mehr internationale Vernetzung und ein helleres Erscheinungsbild des Hauses. „Man sieht am Dekor, dass Frauen hier keine Spuren hinterlassen haben“, sagte sie bei der Präsentation ihres Programms am Donnerstag. Ab 1. September übernimmt sie die künstlerische Leitung des Wiener Traditionshauses.

Rötzer, die bisher unter anderem das Landestheater Niederösterreich leitete, will die Josefstadt nach außen stärker öffnen und zugleich die gewachsene Struktur des Hauses bewahren. Dazu gehört für sie ausdrücklich das Schauspielensemble, das am Theater in der Josefstadt traditionell eine zentrale Rolle spielt. Dieses Modell solle auch unter ihrer Leitung gepflegt werden.

Inhaltlich kündigt Rötzer an, vermehrt Autorinnen auf den Spielplan zu setzen und das Repertoire breiter aufzustellen. Damit verbindet sie den Anspruch, das Haus nicht nur personell, sondern auch im programmatischen Zugriff zu verändern. Die Josefstadt soll stärker mit anderen Bühnen und künstlerischen Partnern vernetzt werden.

Auch optisch soll sich etwas ändern. Rötzer sprach von dem Wunsch nach „mehr Helligkeit“ im Haus – ein Hinweis darauf, dass sie nicht nur den Spielplan, sondern auch die Atmosphäre des traditionsreichen Gebäudes neu akzentuieren will. Der Satz über das Dekor verweist zugleich auf einen kritischen Blick auf die gewachsene Kultur eines Hauses, das lange von männlich geprägten Strukturen bestimmt war.

Die erste Spielzeit der neuen Direktorin ist damit auch als Standortbestimmung zu lesen: Die Josefstadt soll klassisches Ensembletheater bleiben, zugleich aber zeitgemäßer, internationaler und weiblicher werden. Welche dieser Vorhaben sich im laufenden Betrieb tatsächlich durchsetzen lassen, wird sich erst mit Beginn der neuen Intendanz zeigen.

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