Guy Ritchie setzt in „In the Grey“ auf sein vertrautes Terrain: bewaffnete Profis, dubiose Geschäfte und eine Handlung, die sich vor allem aus Coolness- und Genreversatzstücken speist. Der Film folgt Sid (Henry Cavill) und Bronco (Jake Gyllenhaal), zwei Männern, die sich in jenem moralischen Graubereich bewegen, in dem legale und illegale Aufträge ineinanderfließen. Im Zentrum steht dabei ein Diebstahl bei dem Gangstermulti Salazar, der eine Milliarde Dollar beiseitegeschafft hat.
Ritchie, der seit „Lock, Stock and Two Smoking Barrels“ und „Snatch“ für lakonische Gangsterkomödien, derbe Dialoge und kalkulierte Stilbrüche steht, variiert hier vertraute Motive, ohne ihnen spürbar neue Spannung zu geben. Der Film verlässt sich auf den Tonfall des Regisseurs, statt aus der Konstellation von Figuren und Konflikt mehr herauszuholen. Das Ergebnis wirkt wie eine weitere Drehung auf der Stelle: viel Pose, wenig Dringlichkeit.
Vor allem Henry Cavill und Jake Gyllenhaal geraten dabei an Grenzen. Beide sind in Rollen besetzt, die auf körperliche Präsenz, Routine und gegenseitige Reibung setzen, bekommen aber nur wenig Material, das ihre Figuren über Funktionsträger hinaus interessant macht. Auch Eiza González, die in der Geschichte eine weitere zentrale Position einnimmt, bleibt Teil eines Films, der seine Darsteller vor allem als Teil eines stylisierten Mechanismus einsetzt.
Dass Ritchie erneut auf die Ästhetik des halbseidenen Profi-Universums vertraut, ist nicht neu. In „In the Grey“ wirkt dieses Verfahren jedoch eher wie Selbstzitat als wie Weiterentwicklung. Die Mischung aus Action, ironischer Überhöhung und schematischer Figurenführung bleibt gefällig, aber unter ihren Möglichkeiten. Gerade in einem Jahr, in dem der Regisseur wieder verstärkt im Mainstream unterwegs ist, fällt auf, wie stark er sich hier auf seine altbekannten Stilklischees verlässt.
„In the Grey“ ist damit weniger ein Film über die Grauzone zwischen Recht und Unrecht als ein weiterer Beleg dafür, wie schnell Ritchies Handschrift zur Routine werden kann. Was als lässige Schuldeneintreibung im Gangstermilieu angelegt ist, bleibt am Ende vor allem ein vertrautes Muster ohne viel Überraschung.









