Extrig.at

Die unabhängige Onlinezeitung für Österreich

EZB prüft Regeln für Bankenreserven nach Milliardenzahlungen an Institute

Redaktionelle Szene zum Thema „EZB prüft Regeln für Bankenreserven nach Milliardenzahlungen an Institute“

Die Europäische Zentralbank (EZB) erwägt, den Banken im Euro-Raum künftig weniger Zinserträge auf ihre geparkten Gelder zu zahlen. Hintergrund ist, dass die Institute derzeit bei der Notenbank auf gewaltigen Liquiditätsreserven sitzen und dafür hohe Zinsen kassieren. Allein beim aktuellen Einlagensatz von 2,25 Prozent summieren sich die Zahlungen an die Banken auf rund 48,7 Milliarden Euro pro Jahr.

Die EZB hatte den Satz für Bankeinlagen im Juni von 2,0 auf 2,25 Prozent angehoben, um der anhaltend hohen Inflation entgegenzuwirken. Für die Geschäftsbanken ist das ein zusätzliches Ertragsplus, weil sie bei der Notenbank angelegte Mittel verzinst bekommen, selbst wenn sie das Geld nicht in Kredite an Kunden weiterreichen. Nach den zuletzt verfügbaren Angaben lag das Volumen der freiwillig bei den nationalen Zentralbanken des Euro-Systems geparkten Mittel bei etwa 2,16 Billionen Euro.

Genau diese Konstruktion dürfte in Frankfurt nun kritisch gesehen werden. Die EZB sucht nach Möglichkeiten, die Zahlungen an die Banken indirekt zu drosseln. Im Kern geht es darum, dass die Notenbank höhere Zinskosten für sich selbst begrenzen will, nachdem ihre expansive Geldpolitik der vergangenen Jahre den Banken schon zuvor reichlich Liquidität verschafft hatte.

Die Debatte fällt in eine Phase, in der sich das Zinsumfeld im Euroraum wieder normalisiert, die Ertragslage der Banken aber weiterhin von der hohen Einlagenverzinsung profitiert. Gleichzeitig bleibt der Druck auf die Institute bestehen, Kundeneinlagen im Wettbewerb um Sparer attraktiv zu verzinsen. Bei vielen Banken in Österreich und anderen Euro-Ländern liegt der Zinssatz für täglich fällige Einlagen allerdings nach wie vor deutlich unter dem, was die EZB selbst für geparkte Gelder zahlt.

Für die EZB ist die Frage auch eine politische: Je länger das Geld zum vollen Einlagensatz verzinst wird, desto stärker profitieren die Banken von einem Mechanismus, der ursprünglich der geldpolitischen Steuerung diente. Ob und in welcher Form die Notenbank an diesem System drehen wird, ist für die Finanzbranche deshalb von erheblicher Bedeutung.

Diesen Artikel teilen