Extrig.at

Die unabhängige Onlinezeitung für Österreich

Deutsche Autoindustrie gerät unter Druck – Folgen treffen auch Standorte in Österreich

Redaktionelle Szene zum Thema „Deutsche Autoindustrie gerät unter Druck – Folgen treffen auch Standorte in Österreich“

Im niederösterreichischen Berndorf steht ein modernes Werk leer, zuletzt arbeiteten dort 450 Beschäftigte. Der Standort des deutschen Autozulieferers Schaeffler in St. Veit im Triestingtal ist geschlossen – und er steht exemplarisch für die Folgen der Krise in der deutschen Autoindustrie, die bis nach Österreich reichen.

Während Volkswagen, BMW und andere deutsche Hersteller unter schwächerer Nachfrage, hohen Kosten und dem Umbau der Branche leiden, geraten auch Zulieferer unter Druck. Für Österreich ist das besonders relevant, weil viele heimische Betriebe eng in die Lieferketten der deutschen Autoindustrie eingebunden sind. Wenn dort Aufträge wegfallen oder Werke geschlossen werden, trifft das auch Standorte hierzulande.

Der Fall Berndorf zeigt, wie rasch sich solche Entwicklungen in der Region niederschlagen können. Wo früher Kegelrollen produziert wurden, läuft seit Monaten keine Logistik mehr an. Das Werk war modern, international einsetzbar und beschäftigte gut ausgebildete, vergleichsweise gut bezahlte Mitarbeiter. Nun ist die Produktion dort beendet.

Österreich stark mit der deutschen Industrie verflochten

Die Abhängigkeit ist kein Randthema. Österreichische Zulieferer liefern Vorprodukte, Komponenten und Spezialteile an deutsche Autohersteller und deren Partnerbetriebe. Gerade in der Metallverarbeitung, bei Maschinenbauern und in der Zulieferindustrie sind die Verflechtungen eng. Schwächelt der wichtigste europäische Absatzmarkt, überträgt sich das rasch auf Investitionen, Beschäftigung und Auslastung in Österreich.

Hinzu kommt, dass der Umbau der Autoindustrie tiefgreifend ist. Der Umstieg auf Elektromobilität verändert Produkte, Produktionsprozesse und Standortanforderungen. Zugleich kämpfen Konzerne mit teuren Umstellungen, internationalem Konkurrenzdruck und einer schwächeren Konjunktur in wichtigen Märkten. Für Zulieferer bedeutet das oft: weniger Volumen, härtere Preisschlacht und mehr Unsicherheit bei langfristigen Aufträgen.

Für Österreichs Industrie ist das eine riskante Mischung. Viele Betriebe hängen an der deutschen Wertschöpfungskette, ohne selbst im Zentrum der öffentlichen Debatte zu stehen. Schließt ein Werk wie jenes in Berndorf, geht es nicht nur um einen einzelnen Standort. Es ist ein Signal dafür, wie weit die Krise der deutschen Autoindustrie bereits ausstrahlt – und wie direkt Österreich davon betroffen ist.

Diesen Artikel teilen