Mit Georges Bizets Oper Les pêcheurs de perles hat die Wiener Staatsoper ein Werk erstmals ins Haus geholt, das dort jetzt in einer Inszenierung von Ersan Mondtag zu sehen ist. Die Produktion versetzt die Handlung weit weg vom ursprünglichen Schauplatz Sri Lanka und legt sie in eine Textilfabrik. Dort soll die Statue der göttlich verehrten Leila die Arbeiterinnen und Arbeiter bei Laune halten.
Der Einstieg der Aufführung sorgt früh für Irritation. Wenn Perlenfischer Zurga im dritten Akt fragt: „Was seh‘ ich, oh Himmel?“, ist das auch ein Moment, in dem sich Teile des Publikums offenbar Orientierung neu verschaffen müssen. Mondtag, der in dieser Produktion Regie führt und das Bühnenbild gestaltet hat, rückt die Oper in eine Umgebung, die mit dem Originalstoff nur noch locker verbunden ist.
Musikalisch steht dem eine Besetzung gegenüber, die als stark beschrieben wird. Damit trifft ein prominentes Ensemble auf eine Regie, die nicht durchgehend überzeugen kann. Gerade dieser Kontrast prägt die Wiener Premiere von Bizets Werk, das an der Staatsoper erst jetzt sein spätes Debüt gibt.
Les pêcheurs de perles gehört zu den weniger häufig gespielten Opern Bizets. Dass das Stück nun erstmals an der Wiener Staatsoper auf dem Spielplan steht, verleiht der Produktion besondere Aufmerksamkeit. Die Inszenierung setzt dabei weniger auf einen klassischen Orient-Exotismus als auf eine Verlagerung in eine kühle Arbeitswelt, in der der Bühnenraum selbst zum Kommentar auf die Handlung wird.
Ob diese Lesart trägt, bleibt in der Wahrnehmung der Produktion offenbar umstritten. Sicher ist: Die Wiener Staatsoper zeigt mit Bizets Werk ein spät aufgenommenes Repertoirestück, das vor allem wegen seiner Besetzung und der unkonventionellen, aber nicht durchweg gelungenen Regie von Ersan Mondtag auffällt.









