Extrig.at

Die unabhängige Onlinezeitung für Österreich

Barbara Prainsack fordert einen neuen Umgang mit Daten

Redaktionelle Szene zum Thema „Barbara Prainsack fordert einen neuen Umgang mit Daten“

Die Politikwissenschafterin Barbara Prainsack wirbt in ihrem Buch „Datenschutzverkauf“ für einen grundlegenden Wechsel im Umgang mit persönlichen Daten. Statt der bislang häufigen „Meins!“-Haltung plädiert sie für einen „erwachseneren“ Zugang – auch dort, wo Unternehmen und Staaten Daten als wertvolle Ressource nutzen.

Prainsack richtet sich damit gegen eine Debatte, die sich oft auf Abwehr und Besitzdenken verengt. Daten seien heute nicht nur ein Schutzgut, sondern zugleich Grundlage für Geschäftsmodelle, Verwaltung und Forschung. Genau daraus ergebe sich die Frage, wie mit dieser Ressource fair, transparent und verantwortungsvoll umzugehen sei.

Vom Schutzrecht zur wirtschaftlichen Ressource

Im wirtschaftlichen Kontext ist das Thema brisant. Persönliche Daten sind für digitale Plattformen, Werbemärkte, Versicherungen, Gesundheitsanwendungen und viele weitere Branchen ein zentraler Rohstoff. Je stärker datengetriebene Geschäftsmodelle werden, desto größer wird der Druck auf Politik und Regulierung, Regeln nicht nur auf Datenschutz im engeren Sinn zu beschränken, sondern auch auf Machtverhältnisse, Transparenz und Teilhabe zu achten.

Der Ansatz passt in eine Zeit, in der europäische Gesetzgeber die Kontrolle über Datenflüsse schärfer fassen wollen. Mit der Datenschutz-Grundverordnung, dem Digital Services Act und dem Data Act versucht die EU, die Nutzung von Daten stärker zu ordnen und zugleich Innovation zu ermöglichen. Zwischen Schutzinteresse und wirtschaftlicher Verwertung klafft aber weiterhin eine Lücke: Viele Nutzerinnen und Nutzer geben Daten im Alltag fast automatisch preis, ohne die Folgen im Detail zu überblicken.

Warum die Debatte ökonomisch relevant ist

Für Unternehmen bedeutet das: Wer Vertrauen verliert, riskiert nicht nur rechtliche, sondern auch geschäftliche Schäden. Zugleich wächst die Erwartung, dass Daten nicht einfach abgeschöpft, sondern nachvollziehbar verarbeitet werden. Gerade in sensiblen Bereichen wie Gesundheit, Mobilität oder Finanzdienstleistungen wird die Frage, wem Daten nützen und wer sie kontrolliert, zu einem Wettbewerbsfaktor.

Prainsacks Forderung nach einem „erwachseneren“ Umgang mit Daten lässt sich damit auch als Appell an Wirtschaft und Politik lesen: weg von der simplen Logik des Sammelns, hin zu klaren Regeln für Nutzen, Grenzen und Verantwortung. Das dürfte die Debatte über Datenschutz, Datenökonomie und digitale Souveränität weiter befeuern.

Diesen Artikel teilen