Andrej Kurkow schreibt seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine aus Kyjiw und von seinen Reisen durchs Land. Aus diesen Aufzeichnungen ist nun der Band Jahre im Feuer erschienen, in dem der ukrainische Autor Tagebucheinträge und journalistische Texte aus dem Zeitraum April 2024 bis April 2025 versammelt. Das Buch hält den Ausnahmezustand fest, aber auch den Alltag unter Kriegsbedingungen – inklusive jener absurden Momente, die sich in einem Land im Daueralarm längst eingebrannt haben.
Kurkow, der zu den bekanntesten Gegenwartsautoren der Ukraine zählt, beschreibt in dem Band nicht nur Zerstörung und Verlust, sondern auch Widerstandskraft und die Routinen eines Lebens, das von Luftalarm, Frontmeldungen und ständiger Unsicherheit geprägt ist. Besonders deutlich wird dabei, wie sehr sich selbst digitale Kriegsberichte und ökonomische Interessen verschränken: In Telegram-Kanälen, die von der Front berichten, taucht laut Kurkow zunehmend Werbung für Online-Casinos auf – mitunter sogar mit Hinweisen auf Spenden des Casinos an die ukrainische Armee für den Kauf von Drohnen.
Das Buch erscheint in einer Phase, in der der Krieg in der Ukraine längst auch zu einem literarischen Dokumentationsfeld geworden ist. Kurkows Texte stehen dabei zwischen Reportage, Tagebuch und politischem Zeugnis. Sie geben keinen Rückblick aus sicherer Distanz, sondern entstehen mitten aus dem Krieg heraus. Gerade das verleiht ihnen Gewicht: Sie notieren nicht nur die großen Linien des Konflikts, sondern auch dessen Verstörung im Kleinen, im scheinbar Nebensächlichen.
Veröffentlicht wurde Jahre im Feuer im Verlag Haymon, der Band umfasst 212 Seiten und kostet 23,95 Euro. Kurkow hält darin fest, was der Krieg mit Sprache, Wahrnehmung und Alltag macht – und wie eng persönliche Gegenwart und politische Geschichte in der Ukraine weiterhin miteinander verbunden sind.
Im weiteren kulturpolitischen Kontext passt das Buch auch zu einem erneuten Interesse an Literatur, die nicht aus der Distanz über Krisen spricht, sondern aus der unmittelbaren Erfahrung. Kurkow nutzt dafür die Formen des Tagebuchs und der Notiz, also jene literarischen Mittel, die Unmittelbarkeit erlauben, ohne auf Einordnung zu verzichten. Genau darin liegt die Stärke des Bandes: Er zeigt den Krieg nicht als abstraktes Ereignis, sondern als fortgesetzte Zumutung für das tägliche Leben.








