Doris Dörrie nimmt sich in ihrem neuen Buch Wohnen einem Thema an, das weit über Einrichtung und Architektur hinausreicht: dem Verhältnis von Menschen zu Räumen, Häusern und dem, was sie darin als Heimat empfinden. Der Band ist im Hanser Berlin Verlag erschienen, umfasst 120 Seiten und kostet 20,60 Euro. Er gehört zur Reihe „Leben“, in der Autorinnen und Autoren zentrale Lebensfragen literarisch und essayistisch verhandeln.
Die Reihe versammelte bereits bekannte Namen wie Elke Heidenreich, die sich mit dem Alter befasste, oder Daniela Dröscher, die über das Sprechen schrieb. Mit Dörries Beitrag liegt nun ein weiterer persönlicher Essay vor, der ein alltägliches Thema zum Gegenstand einer genaueren Betrachtung macht. Dass die Reihe abgeschlossen ist, mindert den Eindruck nicht, dass das Format für solche konzentrierten, individuell gefärbten Texte eine größere Bühne geboten hat.
Gerade im kulturjournalistischen Kontext ist Wohnen interessant, weil Dörrie seit Jahren zu den Autorinnen zählt, die private Erfahrungen in größere gesellschaftliche Zusammenhänge rücken. Das Thema Wohnen ist dafür besonders geeignet: Es berührt Fragen nach Zugehörigkeit, nach biografischen Bruchlinien und nach der Art, wie sich Lebensphasen in Räumen abbilden. Ob Mietwohnung, Haus oder provisorischer Ort – Wohnen ist selten nur eine praktische Angelegenheit.
Der Titel passt damit in eine Buchlandschaft, in der persönliche Essays und literarische Sachtexte weiterhin gut funktionieren. Sie verbinden Beobachtung, Erinnerung und Reflexion, ohne sich auf eine eindeutige Gattungsgrenze festlegen zu müssen. Dörries Buch steht genau in dieser Tradition: als knapper, konzentrierter Text über ein Thema, das jeder kennt und das sich doch nur schwer abschließend beschreiben lässt.









