Extrig.at

Die unabhängige Onlinezeitung für Österreich

Bayreuth und die NS-Vergangenheit: Das Erbe der Wagner-Familie bleibt heikel

Redaktionelle Szene zum Thema „Bayreuth und die NS-Vergangenheit: Das Erbe der Wagner-Familie bleibt heikel“

Mit dem Start der Bayreuther Festspiele an diesem Freitag rückt im Jubiläumsjahr auch die NS-Vergangenheit des Festivals wieder in den Vordergrund. Die Festspiele, die heuer ihr 150-jähriges Bestehen markieren, sind untrennbar mit der Geschichte der Wagner-Familie verbunden – und mit ihrer Nähe zu Adolf Hitler.

Besonders belastet ist dabei die Erinnerung an Winifred Wagner, die Schwiegertochter des Komponisten Richard Wagner. Sie leitete die Festspiele in der NS-Zeit, hielt bis ins hohe Alter an ihrer Verehrung für Hitler fest und stand zugleich für eine strikte Abwehr moderner Deutungen des Werks. Ihre Haltung prägte lange den Umgang des Hauses mit der eigenen Vergangenheit.

Dass Bayreuth heute noch mit diesem Erbe ringt, zeigt sich auch am Jubiläumsjahr selbst: Der „Grüne Hügel“ bleibt ein kultureller Bezugspunkt von internationalem Rang, aber die Festspiele sind nicht nur ein Ort der Operntradition, sondern auch ein Symbol für die Verstrickungen von Kunst, Familie und Politik im 20. Jahrhundert. Der Titel eines aktuellen Gesprächs- und Erinnerungskontexts verweist auf genau diesen Widerspruch.

Richard Wagner wird in Bayreuth seit 150 Jahren verehrt, doch die Inszenierung dieser Verehrung hat sich im Lauf der Jahrzehnte verändert. Noch vor einem Jahr wurden am Grünen Hügel goldene Wagner-Figuren des Künstlers Ottmar Hörl gezeigt. Gleichzeitig bleibt die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Hauses ein wiederkehrendes Thema, gerade in Jahren, in denen das Festival selbst besonders im Blick steht.

Die Bayreuther Festspiele wurden 1876 gegründet und zählen bis heute zu den wichtigsten Opernfestivals weltweit. Das Jubiläum bringt nun nicht nur künstlerische Rückschau, sondern auch den historischen Ballast des Hauses auf die Bühne der öffentlichen Debatte. Gerade Bayreuth zeigt damit erneut, dass die Wagner-Rezeption in Deutschland und darüber hinaus nicht ohne die Frage nach der politischen Vereinnahmung des Werks zu denken ist.

Diesen Artikel teilen