Österreichs Güterbahnen bekommen den stärkeren Wettbewerb auf der Straße und immer mehr Baustellen auf der Schiene zu spüren. Zwar legten die im Netz zurückgelegten Zugkilometer im Vorjahr wieder zu, als wirtschaftliches Signal taugt das aber kaum: Nach dem aktuellen Jahresbericht der Schienen-Control ist der Anstieg vor allem darauf zurückzuführen, dass Züge wegen Bauarbeiten großräumig ausweichen müssen.
Besonders betroffen ist die ÖBB-Güterverkehrssparte, die im heimischen Netz traditionell den größten Anteil hält. Im Wettbewerb mit privaten Anbietern verliert die Staatsbahn im Güterverkehr zunehmend Marktanteile, während im Personenverkehr weiterhin vor allem die Westbahn als relevanter Konkurrent gilt. Die Verschiebung zeigt, dass der Druck im Schienengüterverkehr nicht nur von der Infrastruktur ausgeht, sondern auch vom Markt.
Für die Logistikbranche ist das relevant, weil Güterzüge auf verlässliche Trassen angewiesen sind. Baustellen verlängern Fahrzeiten, erschweren die Disposition und machen Transporte teurer. Wo Züge ausweichen müssen oder langsamer fahren, geraten sie zusätzlich unter Druck gegenüber dem Lkw, der flexibler auf Routenänderungen reagieren kann.
Die ÖBB-Gütertochter arbeitet bereits an einem internen Restrukturierungsprogramm. Welche konkreten Folgen die angekündigte ÖBB-Reform für den Güterverkehr haben wird, bleibt allerdings offen. Klar ist nur: Im Schienengüterverkehr verschärft sich der Wettbewerb, während die Infrastruktur im laufenden Betrieb selbst zum Bremsfaktor wird.
Damit steht die Branche vor einer doppelten Herausforderung. Einerseits müssen Bahnunternehmen ihre Angebote gegen den Straßentransport behaupten, andererseits ist das Netz durch Sanierungen und Umleitungen belastet. Für die ÖBB ist das besonders heikel, weil sie im Güterbereich nicht nur auf bestehende Marktanteile, sondern auch auf stabile Betriebsabläufe angewiesen sind.









