Robert Carsens „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen setzt im dritten Jahr auf große Gesten, Tanz und Partybilder – kommt nach dieser Einschätzung aber noch immer nicht recht in die Gänge. Im Zentrum steht Philipp Hochmair als Jedermann, der sein Leben zunächst in vollen Zügen genießt, bevor der Abend den Blick auf die Brüchigkeit dieser Figur richtet.
Der Text verortet Carsens Inszenierung ausdrücklich im Heute: Der Salzburger Neureiche wird als gestresst, feudal und psychisch belastet beschrieben, zugleich aber als Mann, der mit seinem luxuriösen Auftreten und einem „goldenen Cabriolet“ in eine Menge gutgelaunter und gutaussehender Gäste fährt. Der Ton ist dabei amerikanisch geprägt, der Reichtum demonstrativ, die Oberfläche glänzend.
Gleichzeitig zielt die Deutung auf eine Figur, die im Spannungsfeld zwischen Männlichkeitsbild und Verfall steht. Im Zusammenhang mit dem „Jedermann“ ist in dem Beitrag auch von Testosteron die Rede; der Held erscheint als Produkt seiner Gegenwart, getrieben von Stress, fehlender Ruhe und einem Lebensstil, der ihn schneller altern lässt, als es die Party-Szenerie zunächst vermuten lässt.
Carsen, der die Produktion für die Salzburger Festspiele inszeniert, setzt damit offenbar weniger auf folkloristische Tradition als auf ein Gegenwartsbild mit viel Bewegung und Glamour. Doch gerade trotz des großen Tanz- und Partyaufgebots will sich der Abend in dieser dritten Saison nicht frei entfalten. Die entscheidende Spannung entsteht nicht aus äußerer Aktion, sondern aus der Frage, ob diese Inszenierung ihre Hauptfigur über das Dekor hinaus wirklich scharf konturiert.
Der „Jedermann“ bleibt damit ein Stück über Wohlstand, Vergänglichkeit und Selbstinszenierung – und über einen Mann, der in dieser Lesart sein Leben noch souverän zu beherrschen glaubt, bevor ihm die Kontrolle entgleitet. Dass in der Überschrift auch von der „Unterhose“ die Rede ist, passt zu dieser Lesart der Entblößung: Der klassische Festspielstoff wird nicht nur existenziell, sondern auch als Bild für einen demonstrativ entkleideten, verletzlichen Status gelesen.









